Multiresistente Keime: Neues Testverfahren beschleunigt Diagnose


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Mit einem neuartigen immunochromatographischen Verfahren ist es Wissenschaftlern der Universität zu Köln und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) gelungen, Bakterien, die gegen Carbapeneme resistent sind, innerhalb von 20 bis 45 Minuten aus Blutkulturen mit einer 100-prozentigen Sicherheit nachzuweisen. Die Ergebnisse wurden jüngst im Wissenschaftsjournal PLOS One veröffentlicht.

Hintergrund

Blutstrominfektionen, die durch Carbapenemase-produzierende Enterobacteriaceae (CPE) verursacht werden, sind mit Therapieversagen und erhöhter Mortalität verbunden. Zu den weltweit häufigsten Carbapenemasen zählen die sogenannten Klebsiella-pneumoniae-Carbapenemase (KPC), die New-Delhi-Metallo-Betalaktamase (NDM) und OXA-48. Der Nachweis von CPE aus Blutkulturen mit Standardmethoden dauert derzeit noch 16 bis 72 Stunden. Die Einleitung einer geeigneten antimikrobiellen Therapie kann sich dadurch verzögern und das Patientenergebnis beeinträchtigen.

Design

In der Studie hat das Forscherteam zunächst Blutkulturen mit Carbapenemase-produzierenden Bakterien versetzt und mit einem neuen multiplexen immunochromatographischen Test ausgewertet. In die Analyse einbezogen wurden klinische Enterobacteriaceae-Isolate mit unterschiedlichen Carbapenemasen sowie 44 klinische Enterobacteriaceae-Isolate mit Carbapenemase-negativen Eigenschaften.

Hauptergebnisse

Mit einem einzigen Testverfahren konnten drei der vier häufigsten Carbapenemasen – OXA-48, KPC und NDM – direkt aus positiven Blutkulturen entdeckt werden, ohne dass eine zeitaufwendige weitere Anzüchtung auf Agarplatten notwendig wurde,wie es in einer Mitteilung der Universität zu Köln heißt. Das neue Verfahren sei schnell, einfach anzuwenden, kostengünstig und könne außerdem in jedem klinisch-mikrobiologischen Labor durchgeführt werden.

Klinische Bedeutung

„Wir sind mit diesem Verfahren unserem Ziel, mit multiresistenten Erregern infizierte Patientinnen und Patienten so schnell wie möglich helfen zu können, einen Riesenschritt näher gekommen“, so Erstautor und DZIF-Professor Dr. med. Axel Hamprecht vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene am Universitätsklinikum Köln. Bei derartig aggressiven Erregern zähle jede Minute, um eine gezielte Therapie zu starten. Um die Leistungsfähigkeit des Verfahrens jedoch in der Routinediagnostik zu beurteilen, sind weitere Studien erforderlich.