Multiples Myelom: Kombinationstherapie aus MOR202 plus Immunmodulatoren getestet

  • Lancet Haematology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Frühe klinische Daten aus einer Studie der Phase 1-2a mit 91 Patienten aus dem deutschsprachigen Raum belegen die relativ gute Verträglichkeit des Anti-CD38-Antikörpers MOR202 in dieser Indikation. In verschiedenen Kombinationen mit Immunmodulatoren wurde eine maximale Ansprechrate von 65 % erreicht.

Hintergrund

Noch gibt es keine kurative Therapie für Patienten mit Multiplem Myelom, erinnern die Autoren der aktuellen Studie. Bei Betroffenen, die refraktär auf eine Behandlung mit Immunmodulatoren und Proteasom-Inhibitoren sind, liege das mediane Gesamtüberleben bei 13 Monaten. Um die intrinsischen und erworbenen Resistenzmechanismen der Myelom-Zellen zu überwinden, seien deshalb neue Optionen gefragt. Hier gilt die Hemmung des Oberflächenmoleküls CD38 (es vermittelt unter anderem indirekt den Mechanismus des programmierten Zelltods) als besonders vielversprechend. Einer der Kandidaten dafür ist der hier getestete humane IgG1A-Antikörper MOR202

Design

Multizentrische, offene Studie der Phase 1-2a an 10 Kliniken in Deutschland und Österreich mit 91 Patienten ab 18 Jahren. Sie erhielten MOR202 in 30-minütigen Infusionen in aufsteigenden Dosierungen von 0,01 mg/kg bis 16 mg/kg entweder als Monotherapie, mit Dexamethason, mit Dexamethason plus Pomalidomid, oder mit Dexamethason plus Lenalidomid. Primäre Endpunkte waren die Sicherheit, die maximale vertragene bzw. empfohlene Dosis, und die Immunogenität.

Ergebnisse

  • Die Infusionen erwiesen sich als sicher; im Zusammenhang damit kam es bei 40 % der Patienten unter der Monotherapie zu Nebenwirkungen, und bei 7 % unter den Kombinationstherapien.
  • Als empfohlene Regime wurden festgestellt: MOR202 als 30-minütige Infusion bis zu 16 mg/kg mit Dexamethason (40 mg), oder in Kombination mit Dexamethason plus Lenalidomid (25 mg) oder Pomalidomid (4 mg)
  • Schwere Nebenwirkungen wurden bei 56 % der Patienten festgestellt. Am häufigsten waren Lymphopenie (38 %), Neutropenie (33 %) und Leukopenie (30 %). Keiner der Todesfälle war mit MOR202 assoziiert; einer wurde Pomalidomid in der Kombinationstherapie zugeschrieben.
  • Die höchste Gesamt-Ansprechrate wurde unter der Kombination MOR202 mit Dexamethason plus Lenalidomid erreicht (65 %), die Krankheit stabilisierte sich hier bei 76 %. Die medianen Zeiten bis zur Progression bzw. des Progressions-freien Überlebens waren noch nicht erreicht.
  • Die zweitbesten Ergebnisse wurden mit der Kombination MOR202/Dexamethason/Pomalidomid erreicht: Gesamtansprechen 48 %, Krankheit stabilisiert 76 %, mediane Zeit bis zur Progression 17,5 Monate und Progressions-freies Überleben ebenfalls median 17,5 Monate.

Bedeutung

Ein Wirkstoff mit dem gleichen Mechanismus wie MOR202, nämlich Daratumumab, wurde bereits in Europa und den USA zugelassen; mindestens zwei weitere (Isatuximab und TAK-079) werden gegenwärtig geprüft. Die aktuelle Studie erweitert nun die Datenbasis für die klinische Wirksamkeit von Anti-CD38-Antikörpern bei Patienten mit Multiplem Myelom. Die Kommentatoren Mattia D’Agostino, Roberto Mina und Francesca Gay von der Universität Turin weisen darauf hin, dass einige Patienten unter Isatuximab und Daratumumab in der Monotherapie ansprachen, dies aber für MOR202 „weniger sicher“ sei. Dem steht eine möglicherweise bessere Verträglichkeit von MOR202 gegenüber.

Finanzierung: MorphoSys AG.