Multiples Myelom: Daratumumab verbessert Remissionstiefe und progressionsfreies Überleben

  • Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Anti-CD38-Antikörper Daratumumab bringt beim multiplen Myelom (MM) nicht nur als Zweitlinientherapie, sondern auch in der Erstlinie einen klinisch relevanten Vorteil. Dies gilt auch für Patienten, für die eine Stammzelltransplantation geplant ist .

Hintergrund

Der Anti-CD38-Antikörper Daratumumab ist als eine von mehreren Optionen bei therapierefraktärem oder rezidiviertem Multiplen Myelom etabliert, also als Zweit- oder Drittlinie, wenn eine autologe Stammzelltransplantation für die Patienten nicht infrage kommt. Kombinationen von Daratumumab mit immunmodulierenden Substanzen oder Proteasominhibitoren plus Dexamathason sind ein Standard. In der Erstlinie können transplantable Patienten Induktionstherapien mit Bortezomib/Thalidomid/Dexamethason (VTd) erhalten, gefolgt von einer Konsolidierung. In der CASSIOPEIA-Studie ist nun erstmals geprüft worden, ob Daratumumab als zusätzliches Wirkprinzip kombiniert mit VTd einen Vorteil für Patienten mit neu diagnostiziertem MM hat, wenn eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) geplant ist.

Design

  • Studiendesign: prospektiv randomisierte, multinationale offene Phase-3-Studie (111 Zentren in Europa)
  • Teilnehmer: 1.085 Patienten mit neudiagnostiziertem MM, für die eine autologe Stammzelltransplantation geplant war
  • Behandlung: Randomisierung in 2 Therapiegruppen:
    • eine Gruppe erhielt vor Transplantation 4 Zyklen VTd als Induktion, dann die ASCT und danach 2 Zyklen VTd als Konsolidierung (n = 542),
    • die zweite Gruppe bekam zusätzlich zu VTd Daratumumab in der Induktion und in der Konsolidierung (D-VTd; n = 543) .
  • Primärer Endpunkt: Anteil der Patienten, die eine stringente komplette Remission (sCR) erreichten. Bei der sCR müssen nicht nur ß2-Mikroglobuline, sondern auch die Konzentrationen der freien κ- und λ-Leichtketten der Immunglobuline auf normalem Niveau sein.

Hauptergebnisse

91 % der Gesamtkohorte erhielten eine ASCT. 29 % in der D-VTd-Gruppe hatten am Tag 100 nach Transplantation eine sCR erreicht, aber nur 20 % im VTd-Regime. Die sCR-Rate war damit im D-VTd-Arm um den Faktor 1,6 und damit signifikant höher als im Kontrollarm (p

Die sCR bestätigte sich als aussagekräftiger prognostischer Marker. Der Unterschied im progressionsfreien Überleben war zwischen den beiden Behandlungsgruppen deutlich geringer, wenn die Patienten eine sCR erreicht hatten, verglichen mit Patienten ohne sCR: Nach 30 Monaten lebten 80 % im D-VTd-Arm ohne sCR und 60 % im VTd-Arm ohne sCR.

Bei Patienten mit sCR betrugen die Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen D-VTd und VTd nicht 20 %, sondern nur 2-3 %.

Klinische Bedeutung

Die sCR gilt, zusammen mit Proliferationsrate, Zytogenetik und Performancestatus, als wichtiger unabhängiger Prognosefaktor, der ein progressionsfreies Überleben besser vorhersagt als die konventionelle CR. Dieser vergleichsweise neuer Prognosemarker hat sich in der CASSIOPEIA-Studie bestätigt. Die Chance, eine sCR zu erzielen, ist höher, wenn das Wirkprinzip eines Anti-CD38-Antikörpers zu den anderen Substanzklassen hinzugenommen wird. Die Stammzellgewinnung für die Transplantation wird durch das Hinzunehmen von Daratumumab nicht beeinträchtigt.

Noch gibt es keine aussagekräftigen Daten zum Gesamtüberleben nach Konsolidierung, aber die vorläufigen Daten lassen den Autoren zufolge sehr gute Ergebnisse in der D-VTd-Gruppe erwarten. Offenbar sei es sinnvoll, Mehrfach-Substanzkombinationen frühzeitig anzuwenden, weil sich damit Synergieeffekte besser erzielen ließen als bei sequenziellen Therapien. Das MM ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. 

Finanzierung: Janssen.