Multiple Sklerose: Rituximab reduziert Schubrate gegenüber Dimethylfumarat auf ein Fünftel

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine randomisierte Studie hat Rituximab als Off-Label-Arznei mit dem Standardpräparat Dimethylfumarat bei 200 Patienten mit relapsierend-remittierender Multipler Sklerose verglichen. Einen Krankheitsschub erlitten im Laufe von 2 Jahren 3 % unter Rituximab und 16 % mit Dimethylfumarat.

Hintergrund

Die Depletion von B-Zellen hat sich bei der Therapie der schubförmigen Multiplen Sklerose als hochwirksam erwiesen. Für eine dieser Therapien – Rituximab – gibt es bisher keine Zulassung und auch keine Daten aus Phase-3-Studien. Rituximab war 1997 der erste Antikörper, der zur Behandlung von Krebs zugelassen wurde. Der Patentschutz ist mittlerweile ausgelaufen, sodass wenig Anreize für Zulassungsstudien auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose bestehen, wo eine Vielzahl von Präparaten um Marktanteile konkurrieren – darunter auch solche mit dem gleichen Wirkmechanismus wie Rituximab. Wie der Erstautor der Studie, Prof. Anders Svenningsson bemerkte, wird Rituximab aber wegen seiner vergleichsweise geringen Kosten in vielen Ländern Off-label verschrieben. Das Potenzial einer wirksamen und preiswerten Therapie hat den schwedischen Forschungsrat bewogen, eine Vergleichsstudie von Rituximab mit einer der Standardtherapien - Dimethylfumarat – zu finanzieren.

Design

RIFUND-MS war eine multizentrische, randomisierte Studie der Phase 3 mit 200 Patienten zwischen 18 und 50 Jahren, die an relapsierend-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) oder einem klinischen isolierten Syndrom gemäß der McDonald-Kriterien litten.  Sie wurden an 17 schwedischen Universitäten und kommunalen Kliniken rekrutiert, hatten ihre Diagnose maximal 10 Jahre zuvor erhalten, zeigten klinische oder neuroradiologischen Zeichen der Krankheitsaktivität, und waren entweder unbehandelt geblieben oder hatten lediglich Interferone oder Glatiramer-Acetat erhalten. Jeweils 100 Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder 2-mal täglich 240 mg Dimethylfumarat, oder nach initial 1000 mg i.v. Rituximab alle 6 Monate 500 mg. Gemessen wurde primär der Anteil der Patienten mit mindestens einem Schub bei einer Nachverfolgungszeit von 24 Monaten.

Ergebnisse

  • Einen Krankheitsschub erlitten 3 (3 %) Patienten in der Rituximab-Gruppe gegenüber 16 (16 %) unter Dimethylfumarat.
  • Das Chancenverhältnis RR betrug 0,19 zugunsten Rituximab und hatte ein 95%-Konfidenzintervall von 0,06 – 0,62 (p= 0,0060).
  • Die häufigsten Nebenwirkungen waren Infusionsreaktionen unter Rituximab (105 Ereignisse), sowie gastrointestinale Reaktionen und Rötungen (je 65 Ereignisse) mit Dimethyfumarat.

Klinische Bedeutung

Die Reduktion der Schubrate auf ein Fünftel im direkten Vergleich zu einer der Standardarzneien bei ähnlich günstigen Nebenwirkungsprofilen spricht für Rituximab. Eine Zulassung setzt jedoch nicht nur einen Antragsteller voraus, sondern – wie die Autoren bemerken - auch eine ökonomische Bewertung sowie langfristige Sicherheitsstudien.

Finanzierung: Swedish Research Council.