Multiple Sklerose: Krankheitsmodifizierende Substanzen verzögern die Behinderung

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die fortschreitenden Behinderungen bei Patienten mit der schubförmigen Form der Multiplen Sklerose (MS) können durch den unmittelbaren Einsatz neuer, hochwirksamer Substanzen besser verzögert werden als durch die übliche Erstlinientherapie mit Interferon Beta oder Glatiramer-Acetat.

Hintergrund

Bei der Therapie der Multiplen Sklerose reduzieren neuere Präparate wie Rituximab, Ocrelizumab, Alemtuzumab und Natalizumab, aber auch Mitoxantron die Schubrate stärker als die traditionell in der Erstlinientherapie verabreichten Wirkstoffe Interferon Beta und Glatiramer-Acetat. Unklar ist, ob ein frühzeitiger bzw. unmittelbarer Beginn mit den genannten „hochwirksamen“ Präparaten langfristig die Behinderungen reduzieren kann.

Design

Retrospektive, internationale Beobachtungsstudie mit Daten des MSBase registry und des schwedischen MS-Registers. Unter 8775 Patienten ab 18 Jahren identifizierten die Forscher jene mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens 6 Jahren. Gegenübergestellt und anhand ähnlicher klinischer und demographischer Daten in zwei Gruppen geteilt wurden dann 544 MS-Patienten, die entweder die „hochwirksamen“ Präparate in den ersten beiden Jahren nach der Diagnose erhalten hatten (frühe Behandlung), oder erst nach 4 – 6 Jahren (späte Behandlung). Primäres Studienziel war das Ausmaß der Behinderung 6 – 10 Jahre nach Krankheitsbeginn, gemessen mit dem Expanded Disability Status Score (EDSS), einer 10 Punkte umfassenden Skala, bei der höhere Werte einen schlechteren Zustand bedeuten.

Ergebnisse

  • In der Gruppe der früh behandelten Patienten betrug der EDSS anfänglich im Durchschnitt 2,2, bei den spät behandelten 2,1. Im Median lag die Nachverfolgungszeit bei 7,8 Jahren.
  • Im 6. Jahr nach Krankheitsbeginn war der EDSS in der frühen Gruppe immer noch bei 2,2 gegenüber 2,9 in der späten Gruppe (p
  • Der Unterschied zwischen den Gruppen vergrößerte sich noch bis zum 10. Jahr nach Beginn der Krankheit (2,3 versus 3,5; p

Bedeutung

Zwar handelt es sich um eine retrospektive Auswertung, die Überlegenheit der „hochwirksamen“ Therapien dürfte aber kaum durch Verzerrungen oder Selektionseffekte zu erklären sein. Die Forderung der Autoren, dass die hochpotenten Therapien bei Patienten mit aktiver, schubförmiger MS als Erstlinientherapie erwogen werden sollten, scheint daher konsequent. Angekündigt wurden zugleich weitere Forschungen mit dem Ziel, diejenigen zu identifizieren, die von einem aggressiven therapeutischen Vorgehen am stärksten profitieren.

Finanzierung: National Health and Medical Research Council Australia and MS Society UK.