Multiple Sklerose: Kohorten-Studie sieht Vorteile für frühe, intensive Therapie


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Frühzeitig intensiv behandelte MS-Patienten zeigten nach 5 Jahren nur eine geringe Progression ihrer Behinderungen. Diese Strategie scheint auch die Zeit bis zur Ausprägung anhaltender Behinderungen zu verzögern.

Hintergrund

Wie aggressiv sollte die Multiple Sklerose zu Beginn der Erkrankung behandelt werden? Angesichts einer Vielzahl neuer Präparate, dem variablen Verlauf der Krankheit und einem Mangel an Langzeitdaten ist diese Frage bislang nur schwer zu beantworten.

Design

Kohortenstudie mit 592 Patienten im südöstlichen Wales mit Auswertung der Daten einer seit 1985 laufenden epidemiologischen Querschnittstudie. Die zu annähernd 3/4 weiblichen Patienten waren zu Beginn der Symptome durchschnittlich 27 Jahre alt und hatten entweder von Beginn an hochwirksame Substanzen erhalten (EIT), oder die Therapie wurde mit krankheitsmodifizierenden Präparaten moderater Wirksamkeit gestartet und dann nach Ermessen der Ärzte eskaliert (ESC). Die Daten wurden im Zeitraum von 1998 bis 2016 erhoben; das primäre Studienziel war die Veränderung der Behinderungen über 5 Jahre, gemessen mit der Expanded Disability Status Scale (EDSS).

Hauptergebnisse

  • In der frühzeitig intensiv behandelten Gruppe verschlimmerten sich die Behinderungen weniger schnell. Die Veränderung beim EDSS betrug hier nach 5 Jahren 0,3 Punkte versus 1,2 Punkte mit eskalierender Therapie. Der Unterschied blieb nach Adjustierung für Geschlecht, Alter, Beginn der Therapie du Übergang von eskalierender zu hochintensiver Therapie signifikant (P = 0,002).
  • Beim sekundären Endpunkt der Studie – der medianen Zeit bis zur anhaltenden Akkumulation von Behinderungen (SAD) – vergingen in der ersten Gruppe 6,0 Jahre, in der zweiten Gruppe 3,14 Jahre (95%-Konfidenzintervall 3,17 – 9,16 bzw 2,77 – 4,00; P =0,05).
  • Bei denjenigen Patienten, die im Rahmen der Eskalationstherapie auf eine hochintensive Therapie umgestellt wurden, vergingen median 3,3 Jahre, was im Vergleich zur frühzeitig intensiven Behandlung mit einem 95%-KI von 1,8 – 5,6 Jahren keinen signifikanten Unterschied darstellt (P = 0,08).

Klinische Bedeutung

Einerseits wurde die Progression von Behinderungen unter einer frühen intensiven Therapie signifikant verlangsamt, andererseits war der Zeitunterschied bis zur Anhäufung bleibender Behinderungen bei Patienten, die umgestellt wurden, nicht signifikant. Die Autoren sehen dennoch günstigere Ergebnisse durch den frühen Einsatz hochwirksamer Präparate und mutmaßen, dass die gegenwärtigen Überwachungsstrategien und Eskalationsprotokolle nicht ausreichend responsiv seien. Eine prospektive, randomisierte Studie ist daher angezeigt.

Finanzierung: Keine Angaben.