Mütterliche HIV-Antikörper schützen nicht vor Virusübertragung auf das gestillte Kind


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Hohe Titer neutralisierender, mütterlicher Antikörper gegen ein Spektrum von HIV-Varianten (Quasispezies) vor der Geburt reduzieren im Vergleich zu niedrigen Titern nicht das Risiko, dass sich Kinder über die Muttermilch mit dem Virus infizieren. Im Gegenteil: niedrige maternale Antikörpertiter waren in einer gemeinsamen Studie US-amerikanischer und afrikanischer Forscher mit einem geringeren Transmissionsrisiko assoziiert.

Hauptergebnisse

In der Untersuchung wurden bei 63 HIV-infizierten Müttern in Malawi, die ihre HIV-negativen Kinder stillten, vertikale HIV-Transmissionsraten und Titer und Bandbreite der HIV-Antikörpertiter der Mütter untersucht. 21 Kinder infizierten sich mit dem Virus. Die Mütter, die ein breites Spektrum an Antikörpern gegen unterschiedliche HIV-Varianten und vergleichsweise hohe Plasmatiter hatten, übertrugen die Infektionskrankheit leichter auf das Kind als Mütter mit niedrigen Antikörpertitern. Als mögliche Ursachen nennen die Autoren, dass unter dem Selektionsdruck der mütterlichen Antikörper solche HIV-Varianten eine Ansteckung des Kindes bewirkten, gegen die es keine mütterlichen Antikörper gebe. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit sei, dass die Immunantwort, die im Plasma gemessen werde, nicht mit der IgA-Immunantwort korreliere, die beim Stillen relevant sei.

 

Design

  • 63 Mutter-Kind-Paare mit HIV-positiven Müttern und seronegativen Kindern zu Studienbeginn
  • qualitative und quantitative Analyse der präexistierenden mütterlichen Plasmaantikörper
  • Primärer Endpunkt: Assoziation zwischen HIV-Transmission und Immunantwort der Mutter

    Klinische Bedeutung

    Die Frage, ob mütterliche HIV-Antikörper dem Kind einen passiven Immunschutz vermitteln, ist wichtig für den Gesundheitsschutz. Eine gemeinsame Studie US-amerikanischer und afrikanischer Forscher weist daraufhin, dass ein solcher Schutz durch die im Plasma nachweisbaren, präexistierenden HIV-Antikörper nicht besteht, auch nicht bei einer großen Bandbreite an Spezifitäten gegen Varianten viraler Hüllproteine. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Ansätze, das Übertragungsrisiko für das Kind durch aktive Impfung der Mutter oder passive Immunisierung des Kindes reduzieren zu wollen, kritisch zu hinterfragen seien.