MRE-Infektion: Antibiotisch behandelte Dialysepatienten tragen höheres Risiko


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Menschen, die sich einer ambulanten Dialyse unterziehen, müssen häufig aufgrund einer Infektion antibiotisch behandelt werden. Bei diesen Patienten waren häufige Risikofaktoren für eine nosokomiale Besiedlung mit multiresisten Erregern (MRE) Hautbarriereverletzungen, eine Operation in den letzten 30 Tagen, ein Krankenhausaufenthalt in den letzten drei Monaten und ein Diabetes mellitus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung des MRE-Netzwerkes der Landkreise Altenkirchen/Westerwald und Rhein-Lahn, die im Epidemiologischen Bulletin 3/2019 veröffentlicht wurde.

Hintergrund

MRSA und andere multiresistente Erreger (MRE) sind nicht nur ein Problem im Krankenhaus, sondern auch in ambulanten Einrichtungen, wie etwa in ambulanten Dialysezentren. Die dort betreuten Patienten sind durch Niereninsuffizienz und die damit einhergehende Immunschwäche, begleitende chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder chronische Wunden sowie durch gehäufte stationäre Krankenhausbehandlungen Risikopatienten für nosokomiale Infektionen und eine Besiedlung bzw. Infektion mit MRE. Darüber hinaus verstärkt die häufig erforderliche antibiotische Behandlung die Gefahr einer Antibiotika-Resistenzentwicklung.

Design

Vor diesem Hintergrund entwickelte das MRE-Netzwerk der Landkreise Altenkirchen/Westerwald und Rhein-Lahn erstmals in Deutschland ein auf die besonderen Gegebenheiten im Bereich der ambulanten Dialyse abgestimmtes Zertifizierungsverfahren. Dazu erhoben sie entsprechend der HALT-2- Kriterien1 (HALT – Healthcare-associated infections in long-term care facilities) Risikofaktoren für eine MRE-Besiedlung bzw.-Infektion mit besonderem Fokus auf Antibiotikaverordnungen.

Hauptergebnisse

Zum Zeitpunkt der Datenerhebung (22. Januar bis 9. Februar 2018) wurden 303 Patienten in den sechs teilnehmenden Dialysezentren regelmäßig hämodialysiert. Die häufigsten Risikofaktoren für eine nosokomiale Besiedlung bzw. Infektion mit MRE waren Diabetes mellitus (37%), Krankenhausaufenthalt in den letzten drei Monaten (28%) und Antibiotikaverordnungen in den letzten drei Monaten (22%).

Die Hälfte der Infektionen, die eine antibiotische Behandlung erforderten, waren Atemwegsinfektionen, gefolgt von Infektionen der Haut und Wunden. Diese beiden Erkrankungsarten waren für 73% der Antibiotikaverordnungen verantwortlich. Infektionen des Magen-Darmtraktes, des HNO-Bereiches und der Harnwege wurden deutlich seltener registriert.

Klinische Bedeutung

„Unsere Untersuchungen unterstreichen, dass ambulante Dialysezentren aufgrund der ausgeprägten Risikofaktoren der Patienten für MRE-Besiedlung/-Infektion in die MRE-Netzwerkarbeit einschließlich Zertifizierung einbezogen werden sollten“, berichten die Autoren im Epidemiologischen Bulletin 3/2019. Der hohe Anteil der im ambulanten Bereich verordneten Antibiotika (85% aller verordneten Antibiotika) zeige, dass auch Schulungen bezüglich des rationalen Antibiotika-Einsatzes von großer Bedeutung seien. Auch wenn die Dialysezentren der im Rahmen des Projektes zertifizierten MRE-Netzwerke die Antibiotikaverordnungen kritisch und sehr restriktiv durchgeführt hatten, werden jedoch, laut Bericht, in Dialysepraxen häufig Antibiotika mit hohem Resistenzpotenzial verordnet.