MR-Scans für die meisten Tattoo-Träger vermutlich keine Gefahr


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

MRT-Untersuchungen sind für die meisten Tattoo-Träger vermutlich sicher. Nebenwirkungen sind in der vorliegenden Studie selten gewesen.

Hintergrund

Wenn Menschen mit Tattoos im MRT untersucht werden sollen, tritt häufig die Frage auf, ob es Einschränkungen gibt oder ob die Untersuchung riskant für die Tattoo-Träger ist. Bisher gab es jedoch keine systematische prospektive Studie dazu, wie sicher es ist, sich mit Tattoos im MRT-Scanner durchleuchten zu lassen. Ergebnisse einer umfangreichen Studie dazu hat nun ein Forscherteam um Nikolaus Weiskopf (Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig) und Martina Callaghan (University College London) in einem Brief im „New England Journal of Medicine“ vorgelegt.

Design

Die Wissenschaftler haben 330 Probanden (Alter 8 bis 66 Jahre) mit jeweils maximal sieben Tattoos vor und nach dem MRT-Scan (3 Tesla) untersucht und insgesamt 932 Tätowierungen getestet. Systematisch sammelten sie Informationen über die Tätowierungen – wie groß sie sind, wo sie liegen, welche Farben verwendet wurden. Auch in welchen Ländern die untersuchte Tattoo-Vielfalt gestochen wurde, ist erfasst: die meisten in Europa, aber auch in Amerika, Asien, Afrika und Australien. Ein Großteil der Bilder auf der Haut bestand aus schwarzer Farbe, es wurden jedoch auch andere farbige Varianten registriert. Ausschlusskriterien waren unter anderem Größe und Zahl der Tätowierungen. Ein einzelnes Tattoo durfte sich beispielsweise maximal über zwanzig Zentimeter auf der Haut ausdehnen und mehrere Tätowierungen nicht mehr als fünf Prozent des Körpers bedecken  – so wollten die Wissenschaftler die stärksten Resonanzeffekte und potentielle Effekte wie Verbrennungen vermeiden.

Hauptergebnisse

Die Berechnungen der Autoren ergaben ein Nebenwirkungs-Risiko von 0,17 Prozent. „Unsere Studie untermauert, dass die Mehrzahl der Probanden mit Tattoos keinerlei Nebenwirkungen bemerkt haben“, so  Nikolaus Weiskopf in einer Mitteilung des Leipziger Instituts. „Es gab einen einzigen Fall, bei dem der Studienarzt festgestellt hat, dass die Nebenwirkungen – nämlich ein Prickeln auf der Haut – mit dem Scannen zusammenhingen. Dieses unangenehme Gefühl war aber innerhalb von 24 Stunden verschwunden, ohne dass der Betroffene ärztliche Behandlung in Anspruch genommen hat.“

Klinische Bedeutung

Die Resultate der Studie können laut der Mitteilung nicht nur Informationen zu Sicherheitsrichtlinien für die Forschung liefern, sondern auch für die klinische Diagnostik hilfreich sein. Dabei sei zu beachten, dass die Ergebnisse nur begrenzt auf andere Konfigurationen und Scanner-Typen übertragbar sind. Die schon bestehenden Empfehlungen, wie man Menschen mit Tattoos in Kliniken scannen soll, beruhen außerdem immer auf einer Abwägung des Risikos gegenüber dem tatsächlichen Nutzen für die Diagnose einer Krankheit. Die Studie trage jedoch entscheidend zur Sicherheit von MRT-Scans bei, heißt es in der Mitteilung abschließend.

Finanzierung: keine Angaben