MR-Neurographie zeigt Zusammenhang zwischen diabetischer Neuropathie und niedrigem LDL-C

  • JAMA Network Open

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Ein niedriger Cholesterin-Spiegel fördert bei Typ-2-Diabetes-Patienten möglicherweise die Progression einer diabetischen Neuropathie.

Hintergrund

Bei Patienten mit Diabetes mellitus ist die diabetische Polyneuropathie eine bekannte Komplikation. Mehrere Risikofaktoren sind bekannt, etwa Adipositas, Bluthochdruck, Hyperglykämie und Dyslipidämien. In einer In-vitro-Studie wurden bei Patienten mit diabetischer Neuropathie eine gestörte Zusammensetzung der Fette der Schwannschen Zellen beobachtet. Was  bislang fehlte, war eine In-Vivo-Visualisierung der Mikrostruktur der Nerven. In der vorliegenden Studie wurde nun die MR-Neurographie verwendet, die auch eine Visualisierung ermöglicht.

Design

Kohorten-Studie mit 100 erwachsenen Typ-2-Diabetes-Patienten. 64 von ihnen hatten eine distale symmetrische diabetische Neuropathie, 36 keine. Bei allen Teilnehmern wurden MR-Neurographien mit einem 3-Tesla-Gerät gemacht, außerdem  elektrophysiologische Untersuchungen.

Hauptergebnisse

  • Die Untersuchungen ergaben Korrelationen zwischen niedrigen Cholesterin-Werten (Gesamt-Cholesterin, LDL- und HDL-C) und Läsionen der peripheren Nerven (z.B. N. peroneus) sowie neurophysiologischer Parameter wie der Nervenleitgeschwindigkeit. 
  • Patienten mit Neuropathie hatten geringere Gesamt-Cholesterin- und LDL-C-Werte (175,0 mg/dl versus 197,31 mg/dl sowie 87,73 mg/dl versus 113,90 mg/dl). Auch ihre Triglyzerid-Spiegel waren niedriger (221,92 mg/dl versus 166,71 mg/dl).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse widersprechen nach Angaben der Autoren anderen Studien, nach denen eine LDL-C-Senkung die Progression einer diabetischen Neuropathie bremsen könne. Die aktuellen Ergebnisse stimmten hingegen mit Studien-Resultaten überein, nach denen eine Statin-Therapie mit Neuropathie-Symptomen und einem beschleunigten Zerfall peripher Nervenfasern assoziiert sei. Eine mögliche Erklärung für den beobachteten Zusammenhang sei eine gestörte Regeneration der Nervenfasern infolge niedriger Cholesterin-Spiegel. 

Die Autoren empfehlen unter anderem, in Studien mit Diabetes-Patienten, die niedrige Cholesterin-Werte haben, auch auf Symptome einer progredienten Neuropathie zu achten. Die Autoren betonen allerdings, dass es sich um eine hypothesen-generierende Studie handelt, bei der zudem Verlaufsdaten fehlen. Aus den Ergebnissen lässt sich daher nicht einfach ableiten, dass eine cholesterinsenkende Therapie bei Diabetes-Kranken mit Neuropathie-Symptomen reduziert oder gar abgesetzt werden sollte. 

Finanzierung: DFG