Morbus Crohn: Hohe Remissionsrate in der Induktionstherapie unter Risankizumab

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Unter dem selektiven p19 anti-Interleukin-23-Antikörper Risankizumab erreichten mehr als 40 % der Patienten mit Morbus Crohn nach 8 Wochen eine klinische Remission – das waren etwa 20 Prozentpunkte mehr als unter Placebo. Unter den Respondern erreichten in einer anschließenden Erhaltungstherapie von einem Jahr Dauer 52 % eine klinische Remission, jedoch betrug der Abstand zu Placebo hier nur noch 11 Prozentpunkte.

Hintergrund

In der Therapie des Morbus Crohn kommen mindestens 5 Medikamentenklassen zum Einsatz, und häufig müssen die Patienten auch operiert werden. Dennoch wird die Krankheit, wenn sie erst einmal etabliert ist, nur selten geheilt. Fortschritte erhofft man sich von Arzneien mit neuartigen Wirkmechanismen, darunter auch der selektive p19 anti-Interleukin-23-Antikörper Risankizumab. Dessen Wirksamkeit sowohl in der Induktions- als auch in der Erhaltungstherapie wurde in 3 Studien geprüft, über deren Resultate nun zeitgleich in 2 Publikationen berichtet wird.

Design

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Risankizumab als Induktionstherapie bei Morbus Crohn wurde in den beiden randomisierten, doppel-blinden, Placebo-kontrollierten Phase-3-Studien ADVANCE und MOTIVATE bei 1549 Patienten überprüft. Sie erhielten in den Wochen 0, 4, und 8 jeweils eine einzige Dosis intravenösen Risankizumabs in einer Dosierung von 600 oder 1200 mg, oder Placebo.

Bei Patienten, die auf die Induktionstherapie ansprachen, wurde Risankizumab als Erhaltungstherapie über ein Jahr in der Phase-3-Studie FORTIFY geprüft. 542 Patienten mit moderatem bis schwerem Morbus Crohn erhielten dabei alle 8 Wochen subkutan Risankizumab in den Dosierungen 180 mg bzw. 360 mg oder Placebo.

Primäre Endpunkte waren jeweils eine klinische Remission, definiert anhand des Crohn's disease activity index [CDAI] oder die von den Patienten berichtete Häufigkeit des täglichen Stuhlgangs und von Unterleibsschmerzen, sowie ein endoskopisch gesichertes Ansprechen in Woche 12 bzw. 52.

Ergebnisse

  • Induktionstherapie: In den Studien ADVANCE und MOTIVATE wurden mit beiden Dosierungen in Woche 12 alle koprimären Endpunkte erreicht (p ≤ 0,0001). Die klinischen Remissionsraten nach CDAI betrugen 45 bzw. 42 % gegenüber 25 % unter Placebo. Gemäß Patientenbericht waren es 43 bzw. 41 % versus 22 %. Die endoskopischen Ansprechraten betrugen 29 bzw. 34 % gegenüber 11 % unter Placebo.
  • Erhaltungstherapie: Unter der höheren Dosierung erreichten 52 % der Patienten eine klinische Remission, unter Placebo 41 %. Im Patientenbericht waren es 52 gegenüber 40 %, und das endoskopische Ansprechen betrug 47 versus 22 %. Mit der niedrigeren Dosierung waren die Differenzen zwischen Verum und Placebo ähnlich groß, allerdings nicht in der Patientenbewertung. Die Daten für andere Endpunkte und Biomarker seien konsistent mit einer Dosis-Wirkungs-Beziehung, notieren die Studienautoren.
  • Sowohl bei der Induktions-, als auch unter der Erhaltungstherapie waren die Nebenwirkungen in allen Gruppen ähnlich.

Klinische Bedeutung

Kurzfristig wurde mit Risankizumab als Induktionstherapie eine hohe Rate klinischer Remissionen erzielt. Unter den Respondern war die Differenz zu Placebo (Entzug des Wirkstoffes) weniger beindruckend. Die Studienautoren sprechen dennoch von „einer neuen therapeutischen Option für eine breite Gruppe von Patienten, welche den zukünftigen Krankheitsverlauf verändern könnte.“

Finanzierung: AbbVie.