Molekulare Bildgebung könnte das Management des fortgeschrittenen Prostatakrebs verbessern

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

PSMA PET-CT ist eine Variante der Positronenemissionstomographie, mit der ein Oberflächenprotein auf Prostatakrebszellen nachgewiesen werden kann. Im Vergleich zur konventionellen Bildgebung mit CT und Skelettszintigraphie wurde die Ausbreitung der Krankheit mit PSMA PET-CT genauer erfasst, was ein besseres Staging ermöglicht und bei einem Viertel der Patienten auch klinische Konsequenzen nach sich zog.

Hintergrund

Eine konventionelle Computertomographie (CT) mit Skelettszintigraphie ist nicht ausreichend empfindlich, um das Krankheitsstadium bei Männern zu bestimmen, die an lokalisiertem Prostatakrebs leiden und ein hohes Risiko haben. Die Autoren der aktuellen Studie hofften darauf, die Genauigkeit des Stagings in klinikrelevanter Weise zu verbessern; mit diesem Ziel haben sie eine neue Bildgebungstechnik erprobt, bei der das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA) mittels einer Kombination aus Positronenemissionstomographie (PET) und CT nachgewiesen wird.

Design

Zweiarmige Studie an 10 australischen Kliniken. 302 Männer mit Prostatakrebs und hohem Risiko wurden vor der Operation mit kurativer Absicht oder Strahlentherapie randomisiert auf konventionelle Bildgebung und Skelettszintigraphie oder die neuartige Bildgebungsmethode (Gallium-68 PSMA-11 PET-CT) innerhalb 3 Wochen nach Studienbeginn. Alle Männer wurden dann binnen 14 Tagen auch mit der jeweils anderen Methode untersucht, sofern in der Erstuntersuchung nicht 3 oder mehr Fernmetastasen entdeckt wurden. Nach 6 Monaten wurden die Untersuchungen gemäß der anfänglichen Randomisierung wiederholt; bei Nachweis des Krankheitsstadiums N1 oder M1 sowie bei biochemisch oder klinisch begründetem Verdacht erfolgte erneut ein Cross-Over zur alternativen Methode. Primäres Studienziel war die Genauigkeit, mit der bei der Erstuntersuchung Metastasen im Beckenbereich oder Fernmetastasen entdeckt wurden.

Ergebnisse

  • Becken- oder Fernmetastasen wurden bei 30 % der Studienteilnehmer entdeckt.
  • PSMA PET-CT war der konventionellen Bildgebung überlegen. Die Genauigkeit – gemessen als Fläche unter der Grenzwertoptimierungskurve - betrug 92 % gegenüber 65 %. Der Abstand von 29 Prozentpunkten war statistisch hochsignifikant (p
  • Die Sensitivität von PSMA PET-CT betrug 85 %, die Spezifität 98 %. Mit der konventionellen Bildgebung waren die entsprechenden Werte 38 % und 91 %. Dabei war PSMA PET-CT auch in der Subgruppenanalyse für Patienten mit Metastasen im Becken bzw. Fernmetastasen überlegen.
  • Die mit PSMA PET-CT erhobenen Befunde führten bei 28 % der Patienten zu einem veränderten klinischen Vorgehen, mit der konventionellen Bildgebung waren es 15 %. Zweideutige Befunde lieferte die PSMA PET-CT bei 7 % der Patienten; mit konventioneller Bildgebung waren es 23 %.
  • Die Strahlenbelastung war unter PSMA PET-CT mit durchschnittlich 8,4 mSv signifikant niedriger als mit der Kombination aus CT und Szintigraphie (19,2 mSv).

Bedeutung

Die eindeutig größere Genauigkeit von PSMA PET-CT unterstützt die Meinung der Autoren, die darin einen geeigneten Ersatz für die konventionelle Bildgebung sehen. „Die bestehenden Leitlinien sollten angesichts dieser Befunde überprüft werden“, heißt es. Zugleich räumen sie ein, dass weitere gesundheitsökonomische Analysen notwendig seien, damit die Methode erstattet und in großem Maßstab verfügbar wird. Strenggenommen ist aber ein klinischer Nutzen für die Patienten – obwohl plausibel – mit dieser Studie noch nicht belegt. Dazu müssten erst noch Langzeitdaten zur Lebensqualität und zur Mortalität erhoben werden.

Finanzierung: Movember und Prostate Cancer Foundation of Australia.