Möglichen Mechanismus der Alzheimer-Prävention durch Sport entdeckt


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die positiven Wirkungen von Sport auf die kognitiven Fähigkeiten werden womöglich durch den Botenstoff Irisin vermittelt. Die Frage, ob sich aus diesem vorläufigen Befund in Zukunft neue Therapieansätze ableiten lassen, kann derzeit allerdings noch nicht beantwortet werden.

Hintergrund

In Deutschlandweit leiden etwa 1,6 Mio. Menschen an einer Demenz. Bei der Mehrzahl der Betroffenen handelt es sich um eine Demenz in Folge einer Alzheimer-Erkrankung. Als Risikofaktoren der Alzheimer-Erkrankung gelten außer dem Alter Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettleibigkeit, erhöhte Blutfettwerte und Bewegungsmangel. Aber auch Faktoren wie Depression oder soziale Isolation spielen eine wichtige Rolle. Allein ein Drittel aller Erkrankungsfälle gehe auf das Konto dieser beeinflussbaren Faktoren, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einer Mitteilung. Eine deutsche Untersuchung habe gezeigt, dass mangelnde körperliche Aktivität sogar der bedeutsamste Risikofaktor sei und mit den höchsten Einfluss auf die Alzheimer-Prävalenz habe. 

Sport gilt daher als eine wichtige Maßnahme zur Prävention eines beschleunigten kognitiven Abbaus. Mehrere Studien stützen dieses Konzept zur Demenz- und Alzheimer-Prävention. So kann Sport bei Menschen mit Morbus Alzheimer infolge einer Genmutation günstige Auswirkungen auf die Alzheimer-Pathologie haben und den kognitiven Abbau verlangsamen, wie Forscher um Prof. Dr. med. Christoph Laske vom Universitätsklinikum Tübingen in Untersuchungen festgestellt haben. Untersucht haben die Forscher 275 Personen (Durchschnittsalter 38,4), die eine Genmutation für ADAD (autosomal dominante Alzheimer-Erkrankung) tragen und Teilnehmer des Dominantly Inherited Alzheimer’s Network (DIAN) sind ("Alzheimer’s & Dementia"). Und eine finnische Studie ergab, dass ältere Menschen den kognitiven Abbau bremsen können - und zwar durch ein umfangreiches Programm, bei dem körperliche Aktivität ein wesentliches Element war. Nicht ausreichend exakt geklärt ist bislang, wie Sport einer Alzheimer–Erkrankung entgegenwirken und möglicherweise auch die Progression der Demenz verlangsamen kann. Eine Gruppe von Forschern aus Brasilien, Kanada und den USA sind dieser Frage in mehreren Untersuchungen und Experimenten nachgegangen. 

Hauptergebnisse

Bei körperlicher Aktivität wird der Botenstoff Irisin durch die Spaltung des Transmembranproteins FNDC5 aus dem Muskel freigesetzt und gelangt über den Blutkreislauf in das Gehirn. Die Forschergruppe konnte zeigen, dass Alzheimer-Patienten erniedrigte FNDC5/Irisin-Spiegel im Hippocampus und im Liquor aufweisen. Eine Steigerung der FNDC5/Irisin-Konzentration ging in den tierexperimentellen Arbeiten der Forscher mit einer verbesserten synaptischen Plastizität einher, was wichtig für Lernen und Erinnern ist.

Klinische Bedeutung

 „Noch fehlt der Nachweis durch klinische Studien, aber der FNDC5/Irisin-Spiegel könnte ein physiologischer Link zwischen Muskeln und Gehirn sein“, erklärt dazu der Essener Neurologe Professor Dr. Richard Dodel in der Mitteilung der Fachgesellschaft. Die positiven Effekte von Sport auf die kognitive Performanz seien „aber insgesamt gut belegt, so dass wir jedem empfehlen, körperlich aktiv zu sein.“

Finanzierung: staatliche Mittel, Universitäten und andere Einrichtungen