Modellrechnung zeigt stetig wachsende Lebenserwartung nach Überleben einer Krebserkrankung als Kind

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Lebenserwartung von 5-Jahres-Überlebenden einer pädiatrischen Krebserkrankung ist in den USA einer Modellrechnung zufolge zwischen den 1970ern und den 1990ern Jahren um annähernd 9 Jahre gestiegen; die Lücke zu nicht an Krebs erkrankten Personen hat sich von 16,5 auf 9,2 Jahre verringert.

Hintergrund

Bei der Therapie pädiatrischer Krebserkrankungen wurden in den vergangenen 30 Jahren große Fortschritte erzielt, die sich unter anderem in höheren Heilungsraten widerspiegeln. Allerdings liegen nach Angaben der Autoren bisher keine Berichte vor, die eine Zunahme der Lebenserwartung der Überlebenden im Erwachsenenalter dokumentieren.

Design

Die Studie hatte zum Ziel, das Langzeitüberleben von Patienten vorherzusagen, die als Kinder eine Krebserkrankung überlebt haben. Außerdem wollte man prüfen, ob sich die Lebenserwartung in den letzten Dekaden vergrößert hat. Dazu wurde eine Mikrosimulation erstellt, die mit Daten der Childhood Cancer Survivor Study gefüttert wurde. Hier sind Personen erfasst, die zwischen 1970 und 1999 mit einer pädiatrischen Krebserkrankung diagnostiziert wurden und mindestens 5 Jahre überlebten. In dem Simulationsmodell enthalten sind Informationen zu späten Rückfällen sowie Spätfolgen der Therapie und zur allgemeinen Sterblichkeit in den USA.

Ergebnisse

  • In der hypothetischen Kohorte der 5-Jahres-Überlebenden einer kindlichen Krebserkrankung betrug das mittlere Alter bei der Diagnose 7,3 Jahre; 56 % waren männlich. Sie hatten eine Lebenserwartung von
    • 48,5 Jahren (95%-Konfidenzintervall 47,6 – 49,6) bei Diagnose in den 1970ern
    • 53,7 Jahren (95%-KI 52,6 – 54,7) bei Diagnose in den 1980ern
    • 57,1 Jahren (95%-KI 55,9 – 58,1) bei Diagnose in den 1990ern
  • Im Vergleich zu Individuen ohne Krebserkrankung war die Lebenserwartung der 1970er Kohorte um 25 % verkürzt, in der 1980er Kohorte um 19 % und in der 1990er Kohorte um 14%. Diese Unterschiede entsprechen 16,5 Jahren, 12,3 Jahren und 9,2 Jahren.
  • Die größten Verbesserungen gab es in den 3 Dekaden für Patienten, die ausschließlich mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Hier wuchs der Anteil der Überlebenden von 18 % in den 1970ern auf 54 % in den 1990ern. Die Lücke bei der Lebenserwartung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung reduzierte sich gleichzeitig von 11,0 auf 6,0 Jahre. Weniger ausgeprägt war dieser Trend für Patienten nach einer Strahlentherapie (21,0 / 17,6 Jahre) und nach einer kombinierten Radiochemotherapie (17,9 / 14,8 Jahre).

Klinische Bedeutung

Zwangsläufig handelt es sich hier „nur“ um eine Modellrechnung und nicht um die Auswertung realer Patientendaten. Dennoch sind die Zahlen ermutigend, denn sie signalisieren deutliche Zuwächse in der Lebenserwartung der Überlebenden pädiatrischer Krebserkrankungen und eine Verringerung des Abstandes zu Personen, die nicht von diesem Schicksal betroffen sind. Die Kommentatoren um Stefanie M. Smith (Stanford) merken an, dass die Teilnehmer der zugrunde liegenden Childhood Cancer Survivor Study möglicherweise privilegierter waren als die Durchschnittsbevölkerung, und dass die Verbesserungen deshalb womöglich überschätzt wurden. Dennoch darf man optimistisch sein, dass der insgesamt positive Trend sich mit zunehmender Verbreitung der neuen, spezifischeren Therapeutika und Immuntherapien fortsetzen wird.

Finanzierung: American Cancer Society, National Cancer Institute.