Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ in Rheinland-Pfalz gestartet


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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In Rheinland-Pfalz gibt es nun - ebenso wie in Hessen und in Baden-Württemberg - für Frauen eine Soforthilfe nach einer Vergewaltigung. Projektstandorte des rheinland-pfälzischen Modellprojekts „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ sollen laut einer Mitteilung Mainz und Worms werden. Finanziert wird das Vorhaben vor allem vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz.

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit in Form von Plakaten und Faltblättern soll den Betroffenen den Weg in die medizinische Versorgung zeigen. Ein weiteres zentrales Anliegen ist, Ärzten Sicherheit im Umgang mit vergewaltigten Mädchen und Frauen zu vermitteln, etwa durch Fortbildungsveranstaltungen. „Betroffene Frauen und Mädchen haben nach einer Vergewaltigung oft das Bedürfnis nach einer medizinischen Versorgung und auch nach einer Spurensicherung. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, Anzeige zu erstatten, gering – manchmal kommt der Wunsch dazu erst nach Jahren. An dieser Stelle greift das Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ auch ohne Anzeige! In unserer Frauenklinik behandeln wir die betroffenen Frauen und ihre Verletzungsfolgen professionell und vor allem unabhängig davon, ob sie sofort eine Anzeige erstatten wollen oder nicht. Spuren werden gesichert, aber oberste Ziele sind die medizinische Akutversorgung und den Frauen den Weg in das unterstützende Hilfesystem zu erleichtern“, betont Professorin Annette Hasenburg, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit der Universität Mainz.

Wie Gynäkologen mit Verdachtsfällen auf sexuelle Gewalt umgehen sollten, erklären Professorin Annette S. Debertin und Dr. Melanie Todt vom Institut für Rechtsmedizin Medizinische Hochschule Hannover in einem aktuellen Beitrag . So stehe bei Verdacht auf sexuelle Gewalt zunächst „die Sicherung von Beweisen im Vordergrund – unabhängig davon, ob die Untersuchung durch die Polizei oder die Patienten beauftragt wird“, so die beiden Rechtsmedizinerinnen.  Zu verwenden seien spezialisierte Dokumentationsbögen und Spurensicherungssets.  Nach der Beweissicherung sollte zu psychosozialen Hilfsangeboten beraten werden. Eine generelle Anzeigepflicht nach Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch besteht laut Annette S. Debertin und Melanie Todt nicht.