Mittels Blutfluss den richtigen Entbindungszeitpunkt finden

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Der Blutfluss von Ungeborenen könnte künftig herangezogen werden, um den optimalen Geburtszeitpunkt bei gewissen Risikoschwangerschaften zu bestimmen. Er sei sogar besser geeignet als die Herztonfrequenz, meinen Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die entsprechende Studie wurde in "The Lancet" vorgestellt.

Für die randomisierte TRUFFLE-Studie (The Trial of Umbilicial and Fetal Flow in Europe) wurden an 20 westeuropäischen Kliniken zwischen Jänner 2005 und Oktober 2010 insgesamt 503 schwangere Frauen mit einer Mutterkuchenunterfunktion untersucht. Die werdenden Mütter wurden auf drei Untersuchungsgruppen verteilt. In der einen Gruppe bestimmten die Ärzte den Entbindungszeitpunkt, indem sie Kurzzeitvariationen der Herztonfrequenz des Kindes maßen. In den anderen beiden Gruppen beobachteten sie mithilfe von Ultraschall Veränderungen des Blutflusses in den Nabelschnurarterien und im Ductus venosus und leiteten entweder bei frühen oder bei späten Blutflussveränderungen die Geburt ein.

Zwei Jahre nach der Geburt wurden alle Kinder untersucht. Dabei wurden unter anderem ihre geistige Entwicklung, ihr Hör- und Sehvermögen, die Motorik sowie ihr Kommunikationsvermögen getestet. Es stellte sich heraus, dass Kinder, bei denen späte Veränderungen des Blutflusses den Entbindungszeitpunkt bestimmten, im Alter von zwei Jahren neurologisch weniger auffällig sind (Anteil: 95 Prozent). In den beiden anderen Untersuchungsgruppen lagen diese Werte bei 91 und 85 Prozent. Insgesamt überlebten 82 Prozent aller Kinder ohne neurologische Auffälligkeiten. "Der Anteil derjenigen Kinder, die ohne neurologische Auffälligkeiten überleben, ist deutlich höher als in bisherigen Studien berichtet wurde", so Ko-Autor Kurt Hecher. Insgesamt lebten 92 Prozent dieser zum Teil extrem zu früh (im Mittel in der 31. Schwangerschaftswoche; das durchschnittliche Geburtsgewicht betrug 1.019 Gramm) geborenen Babys, was Hecher als sehr erfreulich wertet

Das Ergebnis hat Hecher zufolge unmittelbare Auswirkungen auf die klinische Praxis: "Man sollte warten, bis sich deutliche Auffälligkeiten im Blutfluss des Ductus venosus zeigen und dann die Geburt einleiten. Es sei denn, es treten vorher andere Komplikationen auf."