Mitralklappeninsuffizienz: „Real-World-Daten“ stützen Katheter-Therapie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Katheter-gestützte Mitralklappen-Eingriff erweist sich zunehmend als eine geeignete Therapie für manche Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz. Obwohl im Untersuchungszeitraum von 2011 bis 2015 das Durchschnittsalter der Patienten zum Zeitpunkt des Eingriffes höher geworden und der Anteil der Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz gestiegen ist, sind die Sterblichkeits- und Komplikationsraten konstant niedrig geblieben.

Hintergrund

Für manche Patienten mit Klappenfehlern bzw. -schäden sind inzwischen Katheter-gestützte Therapien eine gute Option. Bei einer Aortenklappenstenose ist ein solcher Eingriff seit einigen Jahren schon Routine. Bei Patienten mit schwerer Mitralklappeninsuffizienz ist die Entwicklung nicht ganz so weit vorangeschritten; aber auch bei diesen Patienten wird in der Deutschland zunehmend der Katheter-Eingriff verwendet. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie kommt die Katheter-basierte  Therapie (MitraClip) bei Patienten mit sekundärer Mitralklappeninsuffizienz infrage und zwar für Patienten, die trotz optimaler medikamentöser Therapie über mindestens drei Monate weiterhin eine schwere Mitralklappeninsuffizienz haben und symptomatisch sind, die echokardiographischen Morphologiekriterien erfüllen, durch ein Herz-Team als inoperabel oder mit hohem Operationsrisiko eingestuft werden, und eine Lebenserwartung > 1 Jahr haben.

Weitere Daten, insbesondere Langzeit-Daten, gelten allerdings als notwendig. „Für die Bewertung des Verfahrens in Bezug auf Häufigkeit des Einsetzens des Clips beziehungsweise der Sicherheit des Verfahrens wurden bereits mehrere Studien mit kleinen Patientenkollektiven veröffentlicht, allerdings fehlten bisher große Datenerhebungen“, erläutern Dr. Ralph Stephan von Bardeleben (Universitätsklinikum Mainz) und seine Kollegen. Die Mainzer Herz-Spezialisten haben daher „die Implantationszahlen und die Komplikationsraten in Deutschland in einem größeren Rahmen“ untersucht.

Design

Ausgewertet wurden 13.575 minimal-invasive Eingriffe an der Mitralklappe, die im Zeitraum 2011 bis 2015 vorgenommen wurden. Die Patienten waren meist zwischen 70 und 89 Jahren alt (Durchschnittsalter 77 Jahre). 60 Prozent der Patienten waren Männer. Knapp 88 Prozent hatten eine Dyspnoe (NYHA III/IV), rund zwei Drittel eine KHK, 46 Prozent eine Niereninsuffizienz, fast 31 Prozent Diabetes mellitus und 15 Prozent eine COPD. 

Hauptergebnisse

  • Die jährlichen Implantationszahlen in Deutschland stiegen von 815 im Jahr 2011 um mehr als das Fünffache auf 4432 im Jahr 2015. 
  • Die meisten Patienten (79,2%), die Katheter-gestützt behandelt wurden, waren zwischen 70 und 89 Jahren alt.
  • Im untersuchten Zeitraum hat sich die Komplikationsrate beziehungsweise Sterberate nicht signifikant geändert. 
  • 2011 betrug die Klinik-Mortalität 3,1 Prozent, 2015 waren es dann 3,6 Prozent, obwohl das Alter der Patienten zum Zeitpunkt des Eingriffs signifikant zunahm. Zudem stieg der Anteil der Patienten mit einer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III/IV.
  • Wichtige prognostische Faktoren für die Klinik-Mortalität waren Herzinsuffizienz, Bluttransfusionen wegen Blutungskomplikationen, Schlaganfall, Lungenembolie oder auch ein Herzbeutelerguss.

Klinische Bedeutung

Die Autoren schlussfolgern aus ihren „Real-World-Daten“, dass trotz der fünffachen Steigerung der Implantationsrate des Clips das Verfahren niedrige Frühzeit-Komplikationsraten während des Krankenhausaufenthalts aufweist. „Die kathetergestützte Therapie der Herzklappen hat sich damit in nur zehn Jahren von einer Nischenbehandlung inoperabler Patienten zu einer relevanten und sicheren Therapieoption entwickelt, das unterstreicht unsere neue Studie einmal mehr“,  betont von Bardeleben. Ähnlich wie für Patienten mit Aortenklappenstenose gibt es mit dem MitraClipVerfahren auch für alte und konventionell inoperable Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz eine relative sichere und effektive minimal-invasive Klappen-Therapie. 

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung