Mit Humor geht’s auch Angina-pectoris-Patienten vielleicht besser

  • Herz

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Ein professionelles, strukturiertes Humortraining lindert womöglich die Beschwerden von Patienten mit therapierefraktärer Angina pectoris .

Hintergrund

Manche Patienten mit KHK und Angina pectoris haben trotz Therapie weiterhin Angina-pectoris-Beschwerden. Neue Behandlungskonzepte sind daher sinnvoll. Ein etwas ungewöhnlicher Therapieansatz bei therapierefraktärer Angina pectoris ist ein professionelles Humortraining. In einer kleinen Studie wurde dieser Therapieansatz nun überprüft. Bei dem in dieser Studie eingesetzten professionellen Humortraining wird Humor den Autoren zufolge nicht synonym zu Komik und Lustigem betrachtet, sondern vielmehr als Charakterstärke, innere Einstellung und mentale Fähigkeit. Humor verstehe sich dabei als ein komplexes Phänomen, das Kognition, Verhalten, Emotionen, physiologische Vorgänge und soziale Aufgaben enthält. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass eine Steigerung der Humorfähigkeiten positive Auswirkungen auf das Stressempfinden und depressive Symptome habe. Bislang sei aber noch nicht untersucht worden, ob professionelles Humortraining die Beschwerden bei therapierefraktärer KHK verbessern könne. Bekannt sei allerdings, dass KHK-Patienten häufig eine Depression hätten, was die Beschwerden verstärken könne. 

Design

In die Studie wurden 35 Patienten mit stabiler KHK eingeschlossen. Einschlusskriterien waren therapiere- fraktäre Beschwerden trotz maximaler antianginöser Therapie nach drei Monaten und Ausschöpfung der Revaskularisationsoptionen. Knapp 26 Prozent der Patienten hatten einen Myokardinfarkt in der Vorgeschichte. Sie nahmen über sieben Wochen an einem professionellen Humortraining teil. Inhalte des Humortrainings, das von einer Neurologin und Psychotherapeutin sowie einem professionellen Klinik-Clown und Humorcoach durchgeführt wurde, waren zum Beispiel: Definitionen von Humor, Einsetzen von Humor in Stress-Situationen und Witze erzählen. 

Zur Beurteilung des Effekts wurden vor und nach der Therapie folgende Untersuchungen durchgeführt: Belastungs-EKG, Haarsegmentanalyse mit Kortisolbestimmung, Beck-Depressions-Inventar(BDI)-Fragebogen, Trierer Inventar zum chronischen Stress (TICS), State-Trait-Heiterkeits-Inventar (STHI-S/T). 31 Patienten beendeten die Studie (knapp 95 Prozent Frauen, Altersdurchschnitt 65,5 Jahre).

Hauptergebnisse

  • Im STHI-S-Fragebogen zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Erheiterbarkeit (vor der Therapie: 23,3 ± 5,4, nach der Therapie: 27,5 ± 5; p = 0,03). Dieser Effekt war noch deutlicher, wenn nur die Frauen berücksichtigt wurden (prä: 23,6 ± 5,5, post: 27,7 ± 4,6; p = 0,003).
  • Auch im BDI wurde eine deutliche Verbesserung festgestellt  (prä: 14,6 ± 8,1, post: 11,0 ± 6,5; p = 0,064). Diese war bei Analyse der 29 Frauen statistisch signifikant (prä: 13,1 ± 6,4, post: 9,9 ± 4,6; p = 0,037). 
  • Die Haarsegmentanalyse ergab bei Probanden mit erhöhten Werten vor dem Training (>25. Perzentile, n = 22) eine signifikant reduzierte Kortisolkonzentration (prä: 6,54 [3,78–12,12] pg/mg, post: 3,65 [2,82–7,68] pg/mg; p = 0,029).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse zeigen den Autore zufolge, dass KHK-Patienten mit therapierefraktärer Angina pectoris von einem professionellen Humortraining profitieren. Es sei der erste Beleg eines Effekts des Humortrainings auf klinisch relevante organische Parameter. Größere Studien seien jedoch notwendig, um diese, bei nur wenigen Patienten erzielten Ergebnisse, zu bestätigen. Keine Angaben machen die Autoren zu den Kosten und zur Verfügbarkeit von Humorcoaches.

Finanzierung: Verein der Freunde und Förderer des Robert-Bosch-Krankenhauses e. V., Berthold-Leibinger-Stiftung, Ditzingen.