Mit Hula gegen Hochdruck


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Sport soll ja bekanntlich bei hohem Blutdruck helfen. Doch nicht jeder, der es nötig hat, sich schweißtreibenden Aktivitäten hinzugeben, mag hechelnd durch den Park joggen. Für diese Patienten kann Tanzen eine Option sein, wobei es nicht unbedingt ein flotter Walzer sein muss. Hula tut’s offenbar auch, wie nun eine Studie aus Hawaii schlussfolgern lässt, die bei einem Treffen der American Heart Association“ in New Orleans vorgestellt worden ist.

Sechsmonatige Studie mit 250 Probanden

Hoher Blutdruck ist auch in der Bevölkerung von Hawaii ein großes Problem geworden. Viele gebürtige Hawaiianer hätten trotz Therapie Schwierigkeiten, ihren Blutdruck zu kontrollieren, so Studienleiter Professor Joseph Keawe’aimoku Kaholokula von der Universität von Hawai. Was vielleicht auch daran liegt, dass die üblichen „westlichen“ Lebensstil-Maßnahmen zur Blutdruck-Kontrolle bei den einheimischen Hawaiianern nicht sehr beliebt sind.

Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler es mit dem Hula-Tanz versucht. Erprobt haben sie diesen Ansatz bei 250 Einheimischen (Durchschnittsalter 58 Jahre, Frauenanteil 80 Prozent), die trotz medikamentöser Therapie einen systolischen Blutdruckwert über 140 mmHg hatten oder Typ-2-Diabetes plus einen systolischen Wert von mindestens 130 mmHg. Alle Probanden wurden zunächst über Ernährung, Sport und Medikamente bei Bluthochdruck informiert und dann in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmer der Kontroll-Gruppe erhielten nur die kurze Schulung, die Probanden der Hula-Gruppe durften in der ersten Hälfte der sechsmonatigen Studie zwei Mal wöchentlich für je eine Stunde in einer Hula-Klasse tanzen, in den nachfolgenden drei Monaten sollten sie dann in „Eigenregie“ tanzen und ihr Wissen zu einem „gesunden“ Lebensstil auffrischen. 

Anhaltende Blutdruck-Senkung in der Hula-Gruppe

Die Auswertung ergab, dass die Mitglieder der Hula-Gruppe eher einen systolischen Zielwert von unter 130 mmHg erreicht hatten; zudem war bei einem höheren Anteil von ihnen anhaltend der systolische Wert um mindestens 10 mmHg gesunken. Recht positiv war auch die Therapietreue: Nach 12 Monaten hatten nur 23 Prozent der Teilnehmer das Programm zu Blutdruck-Senkung verlassen.

Hula-Kurse auch in Deutschland

Vielleicht können die Ergebnisse ja tatsächlich, wie die Autoren meinen, auf Bluthochdruck-Patienten mit anderem kulturellem Hintergrund übertragen werden. Aber auch die antihypertensive Tanz-Therapie kann individualisiert werden. Und sollte es vielleicht auch. Für manche Menschen mit Bluthochdruck mag schließlich Walzer besser sein, für andere Bauchtanz oder Breakdance. Wer jedoch Hulu mag, kann es ja damit versuchen. Ein Urlaub auf Hawaii ist dazu übrigens nicht notwendig. Den Tanz kann man auch in Deutschland lernen. Außerdem: Es gibt auch spezielle Hula-Varianten für Männer.

Finanziert wurde die Studie übrigens vom National Heart, Lung, and Blood Institute (USA).