Mikrovaskuläre Erkrankung verstärkt das Amputationsrisiko auch ohne pAVK

  • Circulation

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine mikrovaskuläre Erkrankung geht mit einem erhöhten Risiko für eine Amputation im Bereich der unteren Extremitäten einher, und zwar auch bei Patienten ohne periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).

Hintergrund

Patienten mit pAVK haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte. Eine Korrelation besteht auch zwischen der peripheren Atherosklerose und dem Amputationsrisiko. Diese Korrelation sei allerdings nicht so ausgeprägt, so dass es nach Angaben der Autoren noch einen Faktor geben müsse, der zu dem relativ hohen Amputationsrisiko mit beitrage. Untersucht haben sie daher die Bedeutung der Mikrozirkulation und der mikrovaskulären Erkrankung.

Design

Ausgewertet wurden Daten von über 125.000 US-amerikanischen Kriegs-Veteranen der „Veterans Aging Cohort Study“.  Zu Studien-Beginn waren alle Teilnehmer „amputationsfrei“. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug neun Jahre. Die Diagnose mikrovaskuläre Erkrankung wurde gestellt bei Vorliegen einer peripheren Neuropathie, Retinopathie oder Proteinurie.

Hauptergebnisse

  • Von den über 125.000 Veteranen hatten zu Beginn der Studie sieben Prozent eine mikrovaskuläre Erkrankung, vier Prozent eine pAVK, und ein Prozent hatte beide Gefäßerkrankungen.
  • Das Amputationsrisiko war bei Veteranen mit mikrovaskulärer Erkrankung um den Faktor 3,7 erhöht.
  • Bei Veteranen mit mikrovaskulärer Erkrankung wurden während der Studie 18 Prozent aller Amputationen vorgenommen.
  • Für Teilnehmer mit pAVK ergaben die Berechnungen ein um den Faktor 13,9 erhöhtes Amputationsrisiko; bei ihnen wurden 22 Prozent aller Amputationen vorgenommen.
  • Am stärksten betroffen waren Veteranen mit mikrovaskulärer Erkrankung plus pAVK: Die Berechnungen ergaben hier ein um den Faktor 23 erhöhtes Amputationsrisiko; 45 Prozent aller Amputationen wurden bei dieser Population vorgenommen.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen nach Angaben der Autoren dafür, die mikrovaskuläre Erkrankung als eine Gefäßerkrankung des gesamten Organismus zu betrachten und nicht als eine Erkrankung, die nur einige wenige Organe (Niere, Netzhaut) betrifft. Zudem lassen die Ergebnisse es ratsam erscheinen, bei Patienten mit mikrovaskulärer Erkrankung verstärkt auch auf  Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten (Stichwort Inspektionen der Füße) zu achten. Dies gilt selbstverständlich besonders für jene Patienten, die außer der mikrovaskulären Erkrankung auch eine pAVK haben. 

Finanzierung: American Heart Association, U.S. Department of Veterans Affairs