Migräne-Attacke: manche Patienten durch oralen CGRP-Antagonisten schmerzfrei

  • New England Journal of Medicine & The Lancet

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Rimegepant, ein oral verabreichte CGRP-Antagonist gegen Migräne, kann placebo-kontrollierten Studien zufolge bei manchen Patienten mit Migräne-Attacken Schmerzfreiheit erzielen und auch Begleitsymptome beseitigen. Ob dieser CGRP-Antagonist besser wirkt als Triptane, ist noch unklar.  

Hintergrund

Für Migräne-Kranke hat es lange keine wesentlichen neuen Entwicklungen in der Pharmakotherapie gegeben. Mit Wirkstoffen gegen das „Calcitonin Gene–Related Peptide“ (CGRP) hat sich dies geändert. Zur Prophylaxe stehen inzwischen drei CGRP-Antagonisten zur Verfügung, und zwar Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab. In der vorliegenden Studie ist nun geprüft worden, ob und wie gut der CGRP-Rezeptorantagonist Rimegepant bei Migräne-Attacken Schmerzen und Begleitsymptome lindert.

Design

Placebo-kontrollierte Multicenter-Studie mit 1186 Patienten, die seit mindestens einem Jahr an Migräne litten und 2 bis 8 moderat bis schwer ausgeprägte Attacken pro Monat hatten. Die Patienten waren im Durchschnitt knapp 41 Jahre alt, die Mehrheit (fast 89 Prozent) waren Frauen. Sie erhielten zur Einnahme bei einer Attacke entweder eine Tablette mit 75 mg Rimegepant (n = 594) oder ein Placebo (n = 592). Danach sollten sie einen Fragebogen zu den Schmerzen und den Begleitsymptomen ausfüllen. Ko-primäre Endpunkte der Studie waren Freiheit von Schmerzen und Freiheit von den individuell vorherrschenden Begleitsymptomen (etwa Photophobie und Übelkeit) innerhalb von zwei Stunden nach der Attacke und Einnahme der Tablette. Bei 537 Patienten mit dem CGRP-Antagonisten und 535 mit Placebo konnte die Effektivität untersucht werden.

Hauptergebnisse

  • Schmerzfreiheit gaben 19,6 Prozent der Patienten der Rimegepant-Gruppe an, in der Placebo-Gruppe betrug dieser Anteil 12,0 Prozent (absolute Differenz 7,6 Prozentpunkte; 95% CI 3,3 bis 11,9; P
  • Auch beim zweiten Endpunkt schnitten die Patienten mit Rimegepant signifikant besser ab: Von den Patienten der Verum-Gruppe gaben 37,6 Prozent an, dass ihr stärkstes Begleitsymptom verschwunden sei, in der Placebo-Gruppe betrug der Anteil 25,2 Prozent (absolute Differenz 12,4 Prozentpunkte; 95% CI 6,9 bis 17,9; P
  • Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit (1,8 % in der Rimegepant-Gruppe und 1,1 % in der Placebo-Gruppe) und Harnwegsinfektionen (1,5 beziehungsweise 1,1 %). Ernsthafte Nebenwirkungen waren selten (0,2 % in der Rimegepant-Gruppe, 0,4 % in der Kontrolle-Gruppe).
  •  Komplikationen gab es den Autoren zufolge nicht.

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt, dass der CGRP-Antagonist die Schmerzen bei einer Migräne-Attacke und auch das vorherrschende Begleitsymptom beseitigen kann. Bestätigt wird diese aktuelle Studie durch eine weitere aktuelle Phase-3-Studie mit dem neuen Wirkstoff, wobei in dieser ebenfalls Placebo-kontrollierten Studie mit insgesamt 1375 Migräne-Patienten eine Formulierung verwendet wurde, die sich oral rasch auflöst und besonders schnell ins Blut gelangt (Rimegepant ODT: orally dissolving tablet). Die Autoren der Phase-3-Studien sowie der Hersteller betonen daher die besonders rasche Aufnahme als eine herausstechende Eigenschaft des Antagonisten. Was allerdings noch fehlt, sind direkte Vergleichsstudien mit Triptanen (auch in Kombination mit Naproxen). Ergebnisse solcher Studien werden nicht allein für den klinischen Alltag relevant sein, sondern auch für die Preisgestaltung. 

Noch unzureichend geklärt ist bei allen CGRP-Antagonisten die Langzeit-Sicherheit. Zudem ist zu beachten, dass von den vorliegenden Zulassungsstudien mehrere Patienten-Gruppen ausgeschlossen waren, etwa Patienten mit Gefäßerkrankungen, schwerwiegenden Erkrankungen des Respirationstraktes und des Darms.

Finanzierung: Biohaven Pharmaceuticals.