Methylierungsmuster könnten frühere Diagnose von Krebserkrankungen ermöglichen

  • Naure Communications

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Chinesische Wissenschaftler haben Blutproben aus der Vergangenheit auf die Methylierungsmuster zirkulierender Tumor-DNA untersucht. Mit einem speziellen Assay fanden sie dabei charakteristische Muster bei späteren Krebspatienten, die bereits 4 Jahre vor der Diagnose nachweisbar waren.

Hintergrund

Immer wieder werden „Bluttests gegen Krebs“ angekündigt, die andere, etablierte Diagnosemethoden nicht nur ergänzen, sondern sogar überflüssig machen sollen. Um dies zu belegen, müsste allerdings bei asymptomatischen Personen eine im Vergleich zur konventionellen Diagnostik um mehrere Jahre frühere Krebserkennung belegt werden.

Design

In der Taizhou-Längsschnittstudie wurde das Blutplasma von 123.115 gesunden Erwachsenen von 2007 bis 2014 aufbewahrt, die anschließend bezüglich des Auftretens einer Krebsneuerkrankung überwacht wurden. Der Test erfolgte mit dem System PanSeer, das die Methylierungsmuster zirkulierender Tumor-DNA erfasst und Dank einer speziellen Variante der Polymerasekettenreaktion (Singlera library construction) eine ausreichend hohe Sensitivität erreicht. Aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen wurden dafür zunächst 595 genomische Regionen identifiziert, die mit der Krebsentstehung in Zusammenhang stehen. Sie wurden in einem weiteren Schritt auf 477 Regionen reduziert, die in kommerziell erworbenen Bioproben eine differenzielle Methylierung zwischen Krebs- und gesundem Gewebe aufwiesen.

Ergebnisse

  • Binnen 4 Jahren nach der Blutabnahme wurden 575 ursprünglich asymptomatische Personen mit Karzinomen des Magens, Ösophagus, und Darms, der Lunge oder der Leber diagnostiziert. Davon ausgewählt wurden allerdings (auch aufgrund von schwierig zu bewertenden Testergebnissen) nur 191, denen die Forscher 414 Gesunde gegenüberstellten, und 223 Personen, deren Krebserkrankung bereits zur Zeit der Blutentnahme bekannt war.
  • Mit einem Teil der Proben (207 Gesunde, 93 ursprünglich asymptomatische und 110 zum Zeitpunkt der Blutentnahme diagnostizierte Patienten) wurde ein Algorithmus zur Bewertung des PanSeer-Assays entwickelt. Er erzielte bei einer vorgegebene Spezifität von 95 % bei den ursprünglich asymptomatischen Patienten eine Sensitivität von 91 %.
  • In der anschließenden Validierung mit 207 Gesunden und 98 ursprünglich asymptomatischen Patienten wurde eine Sensitivität von 94,9 % erreicht (96,1 % Spezifität), und zwar auch für Proben, die bis zu 4 Jahren vor der Diagnose gewonnen wurden. Für 113 Patienten mit zum Zeitpunkt der Blutentnahme bekannter Krebsdiagnose war die Sensitivität 87,6 %.

Klinische Bedeutung

Der neue Test kann der Studie zufolge bei chinesischen Patienten die fünf häufigsten Krebserkrankungen bis zu 4 Jahren vor einer konventionellen Diagnose nachweisen. Allerdings wurden 2/3 der Patienten vorher aussortiert. Ohne diese Maßnahme wäre die Genauigkeit des Tests vermutlich deutlich geringer gewesen. Die Autoren betonen auch, dass sie keine „Vorhersage von Krebserkrankungen“ reklamieren, sondern dass ihr Test höchstwahrscheinlich Patienten mit bereits existentem Krebswachstum identifiziert, die aber mit den gegenwärtigen Nachweismethoden unauffällig erscheinen.

Finanzierung: National Key Research and Development Program of China und weitere chinesische Einrichtungen, sowie Singlera Genomics.