Metformin bei Gestationsdiabetes: ein kardiovaskuläres Risiko für die Kinder?

  • PLOS Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Babies, deren Mütter Metformin erhalten hatten, waren bei Geburt im Mittel etwas leichter als die Neugeborenen, deren Mütter mit Insulin behandelt worden waren. Im weiteren Verlauf kehrte sich dies jedoch um: Nach 18 bis 24 Monaten waren die Kinder mit „Metformin-Exposition“ 0,44 kg schwerer als die Kinder mit „Insulin-Exposition“. Im Alter von 5 bis 9 Jahren hatten die „Metformin-Kinder“ auch einen höheren BMI (0,8 kg/m 2 ).

Hintergrund

Metformin gilt in vielen Ländern als akzeptable und ökonomische Alternative zu Insulin für die Behandlung von Frauen mit Gestationsdiabetes. Der Einfluss auf die Entwicklung  bzw. das Wachstum des Kindes ist allerdings nicht ausreichend bekannt. 

Design

Metaanalyse von 28 randomisierten und kontrollierten Studien mit 3976 Frauen;  in keiner Studie war das fetale Wachstum dokumentiert; 19 Studien (n = 3723) machten Angaben zum neonatalen Wachstum. Die Studien stammen aus den USA, Europa, Afrika, Asien und Australien. berücksichtigt wurden allein Studien, in denen Frauen mit Gestationsdiabetes entweder Metformin oder Insulin erhalten hatten. 

Hauptergebnisse

  • Neugeborene der Frauen mit Metformin waren im Mittel knapp 108 Gramm leichter als die Neugeborenen der Frauen mit Insulin (−107,7 g, 95% CI −182,3 bis −32,7, p = 0,005). 
  • Berechnungen ergaben eine geringere Makrosomie-Wahrscheinlichkeit bei Metformin-Therapie (0,59, 95% CI 0,46 - 0,77, p 0,001).
  • Bei der Geburts-Größe gab es keinen Unterschied.
  • Nach 18 bis 24 Monaten waren die Kinder der Mütter mit Metformin zwei Studien zufolge hingegen um 0,440 kg schwerer (440 g, 95% CI 50 - 830, p = 0,03). 
  • Drei Studien zeigten außerdem einen etwas größer BMI der „Metformin-Kinder“ nach 5 bis 9 Jahren: Die Differenz betrug 0,78 kg/m2, 95% CI 0,23 - 1,33, p = 0,005)M; beim absoluten Gewicht gab es allerdings keinen signifikanten Unterschied (p = 0,09). 

Klinische Bedeutung

Nach Angaben der Autoren ist bekannt, dass Kinder mit vergleichsweise geringem Geburtsgewicht und dann beschleunigter Gewichtszunahme ein erhöhtes Risiko für kardiometabolische Störungen haben. Es seien daher weitere Studien notwendig, um zu klären, ob dies auch für Kinder zutreffe, deren Mütter wegen eines Gestationsdiabetes Metformin erhalten hatten. Eingeschränkt wird die Aussagekraft der vorliegenden Metaanalyse unter anderem durch unterschiedliche Metformin-Dosierungen und Kriterien für einen Gestationsdiabetes.

Finanzierung: British Heart Foundation, Wellcome Trust u.a.