Metastasiertes kolorektales Karzinom: Oxaliplatinfreie Erhaltungstherapie hoch wirksam

  • . Int J Cancer

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienen mit metastasiertem kolorektalen Karzinom ohne RAS-Mutation im Tumor können nach Induktionstherapie mit einem Oxaliplatinhaltigen Regime plus EGFR-Inhibitor auf ein Oxaliplatin-freies Regime in der Erhaltungstherapie umgestellt werden. Mit Panitumumab plus 5-FU/Leucovorin als Maintenancetherapie lassen sich hohe Ansprechraten erzielen.   

Hintergrund
Darmkrebs liegt bei den Tumorneudiagnosen in Deutschland auf Platz 2 bei den Frauen und auf Platz 3 bei den Männern: Circa 26 000 Neuerkrankungen gab es 2018 bei Frauen und circa 32 900 bei den Männern (1). Die 5 Jahres-Krebsüberlebensrate beträgt 62 %. Knapp 40 % der Malignome können also nicht geheilt werden. Unter anderem beschränken Komorbiditäten die Intensität der systemischen Therapie und verschlechtern damit die Prognose.

Die EGFR-Inhibition mit Antikörpern wie Cetuximab oder Panitumumab ist Standard in der Erstlinienbehandlung von RAS-Wildtyp-Patienten mit links-hemikolischem metastasierten kolorektalen Karzinom (mKRK). Für die Induktionsbehandlung werden EGFR-Hemmer im Allgemeinen zusammen mit einem platinhaltigen Zytostatikaregime kombiniert. Derzeit werden Strategien untersucht, um bei Patienten, die auf eine Induktion mit einer Oxaliplatin-haltigen Therapie angesprochen haben, eine Erhaltungstherapie ohne Platinkomponente anzuschließen.

Design

  • Zusammenfassende Auswertung der Studien PRIME und PEAK, in denen verschiedene Regime einer Maintenancetherapie bei Patienten mit mKRK untersucht wurden, die auf eine Induktion angesprochen hatten und für eine EGFR-Hemmung infrage kamen (2)
  • PRIME: Phase-3-Studie mit zwei Studienarmen für die Erstlinie: 5-FU/Leucovorin (5-FU/LV) plus Oxalipatin (FOLFOX) mit oder ohne Panitumumab für 4 Zyklen und anschließend randomisiert 5-FU/LV mit oder ohne Panitumutmab (Erhaltungstherapie)
  • PEAK: Phase-2-Studie mit zwei Studienarmen für die Erstlinie: FOLFOX für 6 Zyklen mit Panitumumab oder Bevacizumab und anschließend randomisiert 5-FU/LV kombiniert mit Panitumumab oder Bevacizumab als Erhaltung.

Hauptergebnisse
Das mediane Gesamtüberleben betrug 40,2 Monate nach Randomisierung bei einer Erhaltungstherapie mit Panitumumab plus 5-FU/Leucovorin, 24,1 Monate bei Erhaltung mit 5-FU/Leucovorin und 28,9 Monate bei Erhaltung mit 5-FU/Leucovorin plus Bevacizumab. Ein frühes Schrumpfen des Tumors um mindestens 30 % innerhalb von 4–6 Wochen wurde unter der Panitumumab/5-FU/LV-Kombination mit 63 % und 71 % in den jeweiligen Armen der beiden Studien deutlich häufiger erreicht als unter den anderen Regimen (zu 37-53 %).

Klinische Bedeutung
Die maximale Tumorreduktion ist den aktuellen S3-Leitlinien zufolge das Ziel der systemischen Therapie für fitte Patienten mit mKRK. Dies trifft ür die meisten Patienten jedoch nicht zu, da das kolorektale Karzinom eine Erkrankung des höheren Lebensalters ist. Das durchschnittliche Alter bei Erstdiagnose liegt in Deutschland zwischen 73 und 74 Jahren (1).

Bei Patienten, die für eine Anti-EGFR-Behandlung geeignet sind, ist nach einer Oxaliplatin-haltigen Induktionstherapie die Kombination Panitumumab plus 5-FU/LV sehr effektiv und sicher. Das Tumorvolumen lässt sich effektiver vermindern als bei 5-FU/LV oder 5-FU/LV plus dem Angiogenesehemmer Bevacizumab. Ein schnelles, deutliches Schrumpfen des Tumors wiederum verbessert die Überlebenschancen. Ein Teil der Tumoren, die primär nicht resezierbar waren, werden dann operabel.

Finanzierung: Amgen