Metabolische Azidose bei Nierenkranken: Überschüssige Säure wird entfernt und nicht nur neutralisiert


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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K ernbotschaften

Bei Patienten mit chronisch eingeschränkter Nierenfunktion und metabolischer Azidose als Komplikation dieser Funktionsstörung hat sich das neuartige Polyamin Veverimer als wirksam und sicher erwiesen. Eine prospektiv randomisierte, placebokontrollierte Phase-3-Studie ergab, dass die Bicarbonat-Konzentrationen im Serum durch Veverimer im Behandlungszeitraum von 12 Wochen deutlich anstiegen oder sogar Normalwerte erreichten. Diarrhöe war die häufigste unerwünschte Wirkung von Veverimer, es gab aber keine therapielimitierenden Nebenwirkungen.

Hintergrund

Eine chronische metabolische Azidose ist eine häufige Komplikation bei niereninsuffizienten Patienten. Sie ist in höheren Stadien einer chronischen Niereninsuffizienz (CKD) häufiger, kann aber auch im CKD-Stadium 2 auftreten. Eine Ursache ist die verminderte nephrische Exkretion von Wasserstoffionen, die beim Proteinabbau entstehen. Als Folge der verringerten Ausscheidung von Protonen akkumuliert Säure. Die Säureansammlung wiederum kann einen Progress der Nierenerkrankung hervorrufen, aber auch Störungen des Protein-, Muskel-, Knochenstoffwechsels und der Herzfunktion. Das häufigste Mittel, eine Übersäuerung zu behandeln, ist die Einnahme von basischen Nahrungsergänzungsmitteln wie Natriumbicarbonat oder Natriumcitrat. Die Substanzen entfernen die Säure nicht, aber erhöhen den pH-Wert. Nicht bei allen Patienten allerdings ist die zusätzliche Natriumzufuhr verträglich für Herz und Kreislauf. Deshalb wird nach Mitteln mit alternativen Wirkansätzen gesucht (1).

Design

  • multizentrische randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-3-Studie
  • Einschlusskriterien: Patienten mit nicht-dialysepflichtiger Niereninsuffizienz (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate: 20-40 ml/Min) und metabolischer Azidose (Serum-Bicarbonat-Konzentrationen: 12-20 mmol/L)
  • Randomisierung: Veverimer 6 g/Tag oder Placebo für 12 Wochen, Randomisierung im Verhältnis 4 : 3 (Verum : Placebo)
  • primärer Endpunkt: Erhöhung der Bicarbonat-Konzentration im Serum um mindestens 4 mmol/L nach 12 Wochen oder eine Normalisierung auf 22-29 mmol/L.

Hauptergebnisse

124 Patienten wurden in die Veverimer-Gruppe randomisiert und 93 in den Placebo-Arm. Den primären Endpunkt erreichten 59 % im Verum-Arm und 22 % unter Placebo. Der Unterschied von 37 Prozentpunkten war mit einem p-Wert von

 

Klinische Bedeutung

Eine chronische metabolische Azidose sollte bei CKD-Patienten möglichst verhindert werden. Das ladungsneutrale Polyamin Veverimer könnte einer Azidose nach Angaben der Studienautoren physiologischer entgegenwirken als basische Nahrungsergänzungsmittel. Veverimer entfernt Säuren und vor allem Salzsäure (HCl) aus dem Magendarmtrakt. Das Polyamin lagert nach der Einnahme zunächst Protonen an, und die anschließend positiven elektrischen Ladungen werden durch Bindung von Anionen neutralisiert. Dies sind vor allem Chlor-Anionen im oberen Gastrointestinaltrakt. Das HCl-beladene Polymer wird über den Darm ausgeschieden.

Eine Einschränkung der Studie ist die vergleichsweise kurze Therapiezeit von 12 Wochen, eine weitere der Vergleich mit Placebo. Natriumbicarbonat wäre eine Vergleichssubstanz von größerer klinischer Relevanz als Placebo, heißt es in einem Kommentar (2).

Finanzierung: Unternehmen Tricida