Metaanalyse bestätigt: HPV-Impfung schützt vor Zervixkarzinomvorstufen und Genitalwarzen

  • The Lancet

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Nach Einführung der Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) vor 12 Jahren ist die Prävalenz von HPV-Infektionen, zervikalen intraepithelialen Neoplasien Grad 2+ sowie Anogenitalwarzen deutlich zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kanadische Metaanalyse, die jüngst in The Lancet publiziert wurde.

Hintergrund

99,7 Prozent aller Zervixkarzinome sind mit humanen Papillomviren assoziiert. Die verschiedenen Impfstoffe richten sich vor allem gegen die Hochrisiko-Varianten HPV 16 und 18, die für 70 Prozent dieser Tumoren verantwortlich sind. Dennoch ist laut Robert Koch-Institut nur etwa jedes vierte Mädchen zwischen neun und 17 Jahren geimpft.

Um die Auswirkungen der routinemäßigen HPV-Impfung zu quantifizieren, analysierten Wissenschaftler um Mélanie Drolet von der Universität Laval im kanadischen Quebec Daten von insgesamt 66 Millionen Frauen und Männern unter 30 Jahren. Erfasst wurden unter anderem die Infektionsraten mit HPV 16 und 18, die Häufigkeit von Genitalwarzen sowie histologisch bestätigte zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN2+). Für ihre Metaanalyse berücksichtigten die kanadischen Forscher 65 Publikationen aus 14 Industrienationen, die zwischen Februar 2014 und Oktober 2018 veröffentlicht wurden und verglichen diese vor und nach Einführung der HPV-Impfung.

Signifikanter Rückgang von Präkanzerosen

Tatsächlich konnte die Metaanalyse zeigen, dass sich 5 bis 8 Jahre nach Einführung der HPV-Impfung die Prävalenz der HPV-Infektionen mit den beiden HPV-Hochrisiko-Typen 16 und 18 bei den 13 bis 19 Jahre alten Mädchen signifikant um 83 Prozent und bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren um 66 Prozent verringert hatte. Auch die Häufigkeit von CIN2+ Läsionen nahm in den Jahren nach Einführung der HPV-Impfung bei den 15- bis 19-jährigen Mädchen um mehr als die Hälfte (51%) und bei den Frauen zwischen 20 und 24 Jahren um 31 Prozent ab. Genauso berichteten die kanadischen Wissenschaftler über eine Abnahme der Prävalenz von Genitalwarzen, sowohl bei Mädchen (67%) und Frauen (30-54%) als auch bei Jungen und jungen Männern (32—48%). Deutlich wurde ebenfalls, dass die Schutzwirkung der HPV-Impfung deutlicher ausfiel, je höher die Durchimpfungsrate war und je weiter die Impfempfehlung des jeweiligen Landes hinsichtlich Alter und Geschlecht ausfiel.

Besserer Schutz durch Multikohortenimpfung

„Unsere Ergebnisse zeigen überzeugende Belege für die erheblichen Auswirkungen von HPV-Impfprogrammen auf HPV-Infektionen und CIN2+ bei Mädchen und Frauen sowie auf die Diagnose von Anogenitalwarzen bei Mädchen, Frauen, Jungen und Männern“, so die kanadischen Wissenschaftler. Darüber hinaus hatten Programme mit Multikohortenimpfung und hoher Impfrate eine größere direkte Wirkung auf die Prävalenz von Vorstufen des Zervixkarzinoms.

Finanzierung:

WHO, Canadian Institutes of Health Research, Fonds de recherche du Québec – Santé