Metaanalyse bestätigt: Demenz-Risiko sinkt bei guter Blutdruckkontrolle

  • The Lancet Neurology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Therapie mit Antihypertensiva schützt vermutlich vor der Entwicklung von Demenz-Symptomen, wie die vorliegende Metaanalyse bestätigt. Dabei kommt es den Ergebnissen nach nicht auf die Antihypertensiva-Klasse an. 

Hintergrund

Viele Studien lassen schlussfolgern, dass eine medikamentöse Blutdrucksenkung, die rechtzeitig begonnen wird, vor zerebralen Schäden schützt, die klinisch mit Demenz-Symptomen einhergehen können, etwa multiple Mikroinfarkte. Eine Frage ist, ob es dabei eine Rolle spielt, welche Antihypertensiva verwendet werden. 

Design

Metaanalyse von Beobachtungsstudien, die zwischen dem 1. Januar 1980 und dem 1. Januar 2019 veröffentlicht wurden. Insgesamt wurden sechs prospektive Studien mit 31.090 klinisch demenzfreien Erwachsene über 55 Jahre und medianen Beobachtungszeiten von bis zu 22 Jahren ausgewertet. Untersucht wurden Zusammenhänge zwischen Demenz- und Alzheimer-Inzidenz, fünf Antihypertensiva-Klassen und Blutdruck-Werten. Als hoher Blutdruck galten systolische Werte von mindestens 140 mmHg und diastolische Werte von mindestens 90 mmHg. 

Hauptergebnisse

  • Es wurden 3.728 Fälle von Demenz und 1.741 Fälle von Alzheimer diagnostiziert. 
  • Die Berechnungen ergaben für Patienten mit hohem Blutdruck (n = 15.537), dass jene mit Antihypertensiva im Vergleich zu jenen ohne ein geringeres Demenz- und auch Alzheimer-Risiko hatten. Die Hazard Ratio für Demenz allgemein betrug 0,88 (95% CI 0,79–0,98; p = 0,019) und für die Alzheimer-Erkrankung 0,84, 0,73–0,97; p = 0, 021).
  • Es wurde kein Hinweis gefunden, dass eine bestimmte Antihypertensiva-Klasse das Demenz-Risiko wirksamer senkte als andere. 

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt den Nutzen einer antihypertensiven Therapie für den Schutz vor der Entwicklung von Demenz-Symptomen. Diese Ergebnisse legen nach Angaben der Autoren nahe, dass zukünftige klinische Leitlinien für das Hypertonie-Management auch die vorteilhafte Wirkung von Antihypertensiva auf das Risiko für Demenz berücksichtigen sollten. 

Eine viel diskutierte Frage in diesem Zusammenhang ist - ausser der nach der Wahl des Antihpertensivums -, welcher Blutdruck-Zielwert angestrebt werden sollte, um das Demenz-Risiko zu senken. Wie berichtet, lieferte die Anfang dieses Jahres publizierte Studie SPRINT MIND  weder absolut überzeugende Ergebnisse für noch gegen eine aggressive Blutdruck-Therapie mit einem systolischen Zielwert von unter 120 mmHg. Hauptergebnis war, dass der primäre Endpunkt „Demenz“ nicht erreicht wurde, ein zerebraler Nutzen einer strengen Blutdruck-Kontrolle mit einem Zielwert von unter 120 mmHg also nicht belegt werden konnte. Statistisch signifikante Resultate zu Gunsten der intensiven Blutdruck-Kontrolle wurden allein bei den sekundären Endpunkten MCI (mild cognitive impairment) und der Kombination von MCI plus wahrscheinlicher Demenz beobachtet. 

Finanzierung: The Alzheimer's Drug Discovery Foundation und das National Institute on Aging Intramural Research Program