Meta-Analyse vergleicht die Strategien zur Gabe von Kortikosteroiden nach idiopathischem Hörsturz

  • JAMA Otolaryngology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Ob Kortikosteroide nach einem idiopathischen Hörsturz lokal, systemisch oder in Kombination gegeben werden, machte in einer kleinen Meta-Analyse keinen messbaren Unterschied aus.

Hintergrund

Das therapeutische Vorgehen bei idiopathischem plötzlichem sensorineuralem Hörverlust („Hörsturz“) ist wegen der oft unklaren Ätiologie lediglich empirisch abgesichert. Außer der rheologischen Infusionsbehandlung zählen Kortikosteroide zu den allgemeinen Prinzipien der Hörsturzbehandlung. Es besteht aber keine Einigkeit, ob diese systemisch oder besser ins Mittelohr gespritzt werden sollten, und frühere Meta-Analysen haben dazu widersprüchliche Ergebnisse erbracht.

Design

Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse war es, die Erholung von einem Hörsturz nach systemischer, intratympanischer oder kombinierter Gabe von Kortikosteroiden als Erstlinientherapie zu vergleichen. Dazu wurden in 5 verschiedenen Literaturdatenbanken Publikationen zu randomisierten Studien gesucht, die zwischen 1966 und 2018 erschienen sind, bei denen Hörstürze mit bekannter Genese ausgeschlossen waren, das Ausmaß des Hörverlustes mindestens 30 dB binnen 72 Stunden betragen hatte, und bei denen ausschließlich Kortikosteroide gegeben wurden.

Ergebnisse

  • Die Forscher identifizierten 170 Titel, von denen 56 (32,9 %) für eine Volltext-Suche geeignet waren. Die Daten wurden unabhängig extrahiert und daraufhin analysiert, wie groß die Erholung beim Reintonaudiogramm in Dezibel war, und wie das Chancenverhältnis für eine Erholung zwischen den Behandlungsgruppen aussah.
  • In die Analyse eingeschlossen wurden 7 Studien mit 710 Patienten. Darunter hatten 33 % Kortikosteroide intratympanisch erhalten, 46 % systemisch und 21 % kombiniert.
  • Im Reintonaudiogramm war der Zugewinn unter systemischen Kortikosteroiden im Durchschnitt 2,01 dB größer gewesen als bei intratympanischer Gabe, allerdings war dieser Unterschied bei einem 95%-Konfidenzintervall von – 5,61 bis 1,59 statistisch nicht signifikant.
  • Das Chancenverhältnis für eine vollständige Erholung betrug 0,94 (95%-KI 0,61 – 1,44); auch dies war kein signifikanter Unterschied.
  • Der Vergleich kombinierte Behandlung versus systemische Therapie ergab ein Chancenverhältnis von 1,11 (95%-KI 0,68 – 1,82). Wiederum war der Unterschied nicht signifikant. Ein Vergleich der kombinierten gegen die intratympanisch Therapie entfiel, da es nur 2 Studien gab.

Bedeutung

Auch nach dieser Meta-Analyse bleibt unklar, ob es in der Wirksamkeit der verschiedenen Therapien keine Unterschiede gibt, oder diese nicht aufgedeckt werden konnten. Große epidemiologische Studien, wie sie in skandinavischen Ländern mit hervorragender medizinischer Dokumentation möglich sind, eigenen sich womöglich besser zur Beantwortung derartiger Fragen, als Meta-Analysen mit stark heterogenen Studien und geringen Fallzahlen.

Finanzierung: Keine.