Meta-Analyse sieht Überlebensvorteile durch Dosis-Intensivierung beim frühen Brustkrebs


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die gepoolten Daten von mehr als 37.000 Brustkrebspatientinnen, die in den Jahren 1985 – 2011 an 26 randomisierten Studien teilgenommen hatten, belegen einen kleinen, aber hochsignifikanten Vorteil Dosis-intensivierter Protokolle gegenüber einer Anthrazyklin-basierten Standardtherapie. Sequenziell ist demnach besser als parallel, ein zweiwöchiger Zyklus besser als ein dreiwöchiger.

Hintergrund

Durch die Kombination verschiedener Zytostatika z.B. bei der Therapie des frühen Brustkrebs addieren sich oft auch deren Nebenwirkungen, was die verabreichten Dosierungen limitieren kann. Es stellt sich die Frage, ob die Wirksamkeit der Behandlung gesteigert werden kann, wenn die einzelnen Substanzen sequenziell gegeben werden, oder die Abstände zwischen den Zyklen verkürzt werden.

Design

Meta-Analyse individueller Patientendaten von 37.298 Frauen mit frühem Brustkrebs (zumeist unter 70 Jahren, mit Lymphknotenbefall), aus 26 randomisierten Studien. In den Studien hatte man entweder zweiwöchentliche mit dreiwöchentlichen Chemotherapie-Zyklen verglichen, oder die sequenzielle mit der gleichzeitigen Gabe von Anthrazyklinen und Taxanen.

Hauptergebnisse

  • Die Gesamtmenge an Chemotherapeutika war in den verschiedenen Studienarmen vergleichbar, in den Dosis-intensiveren Armen wurden aber mehr koloniestimulierende Faktoren gebraucht.
  • Unter Dosis-Intensivierung kam es zu weniger Rückfällen. Nach 10 Jahren waren es 28,0 % gegenüber 31,4 % mit den Standardregimen. Dies entspricht einem Chancenverhältnis RR von 0,86 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,82 – 0,89 (p
  • Auch die 10-Jahres-Brustkrebsmortalität war reduziert und zwar auf 18,9 % gegenüber 21,3 % (RR 0,87; 95%-KI 0,83 – 0,92; p
  • Die Gesamtmortalität nach Dosisintensivierung betrug 22,1 % gegenüber 24,8 % mit den Standardregimen (RR 0,87; 95%-KI 0,83 – 0,91; p
  • Das Rückfallrisiko wurde bei allen drei Vergleichen ähnlich stark durch die Dosis-Intensivierung verringert: 2-wöchige Zyklen versus 3-wöchige Zyklen, sequenzielle versus gleichzeitige Gabe, sowie verkürzte und sequenzielle versus Standardtherapie.

Klinische Bedeutung

Die gepoolten Daten individueller Patientinnen belegen eine moderate, aber hochsignifikante Reduktion der Brustkrebsmortalität um etwa 2,4 Prozentpunkte, sowie der Gesamtmortalität um 2,7 Prozentpunkte durch die Dosis-Intensivierung. Die Kommentatorin Sara A. Hurvitz (University of California, Los Angeles) weist allerdings darauf hin, die Studienteilnehmerinnen in den Jahren 1985 – 2011 rekrutiert worden waren. Der Großteil der HER2-positiven Patientinnen hat demnach keine zielgerichtete Therapie mit dem 2006 zugelassenen Antikörper Trastuzumab erhalten, Hochrisikopatientinnen mit ER+ Status erhielten keine CDK4/6 Inhibitoren und solche mit BRCA-Mutationen keine PARP-Inhibitoren. Es fehle also der Nachweis, dass bei Anwendung dieser neueren Substanzen die Dosis-Intensivierung ebenfalls Vorteile hätte. Zweitens seien zu wenige Frauen über 70 Jahren oder ohne Lymphknotenbefall in der aktuellen Studie eingeschlossen, als dass man hier einen signifikanten Effekt der Dosis-Intensivierung hätte belegen können. Einstweilen würden die neuen Daten dennoch einen überzeugenden Beweis bieten, dass bei gegebener Indikation für eine Anthrazyklin-basierte Chemotherapie eine Dosis-Intensivierung in Betracht gezogen werden kann.

Finanzierung: Cancer Research UK, Medical Research Council.