Meta-Analyse findet Korrelate zu suizidalem Verhalten bei Kindern unter 13 Jahren

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Meta-Analyse mit mehr als 600 Millionen Kindern unter 13 Jahren bestätigt, dass Suizide in dieser Altersgruppe selten sind: die Lebenszeitprävalenz betrug 0,79 / Million. Andere Arten von selbst-verletzenden Gedanken und Verhaltensweisen (SITBs) traten jedoch mit einer besorgniserregenden Häufigkeit auf, suizidale Gedanken beispielsweise mit 15 %.

Hintergrund

Eine aktuelle Statistik beziffert die Zahl der Selbstmorde bei Kindern unter 15 Jahren für das Jahr 2020 in Deutschland auf 25. Über selbst-verletzende Gedanken und Verhaltensweisen (SITBs) in der Präadoleszenz ist indes weniger bekannt als bei anderen Altersgruppen, und die Vorstellung, dass kleine Kinder zu suizidalen Gedanken nicht fähig sind, ist weit verbreitet. Laut den Autoren der aktuellen Studie haben Selbstmorde bei Kindern zugenommen und sind (in den USA) die fünfthäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe. Das National Institute of Mental Health hat das Thema deshalb zu einer Priorität für Forschung und Interventionen erhoben.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse zur Abschätzung der Prävalenz und Korrelate präadoleszenter SITBs, und Vergleich der Charakteristika der SITBs zwischen Kindern unter 13 Jahren und Älteren. Durchsucht wurden die Literaturdatenbanken MEDLINE, PsycINFO und Embase. Dabei fanden sich 5625 Fachartikel, unter denen 58 Studien mit 626486590 Individuen in die Analyse einbezogen wurden.

Ergebnisse

  • Die Lebenszeitprävalenz von Suiziden in der Allgemeinbevölkerung betrug 0,79 / Million Kinder.
  • Die Lebenszeitprävalenz unter Präadoleszenten betrug für
    • Suizidale Gedanken 15,1 %,
    • Suizidversuche 2,6 %,
    • Nicht-suizidale Selbstverletzungen 6,2 %.
  • Anhand dieser Daten schätzen die Autoren, dass etwa 17 % der Präadoleszenten, die Selbstmordgedanken hegen, auch einen Versuch unternehmen.
  • Bei Jungs traten die SITBs vor der Adoleszenz häufiger auf als danach.
  • Jenseits der suizidalen Gedanken waren die Korrelate mit Suiziden für SITBs gering, die Zusammenhänge mit spezifischen Störungen jedoch stärker ausgeprägt. Dies waren insbesondere die Korrelate von:
    • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom und Selbstmordgedanken (d = 0,54)
    • Depression und Selbstmordgedanken (d = 0,90), sowie
    • Depression und Suizidversuch (d = 0,47).
  • Unter den interpersonellen Faktoren bestand der stärkste Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung und Selbstmordgedanken (d = 2,62), während elterliche Unterstützung mit weniger Suizidgedanken einherging (d = - 0,34).

Klinische Bedeutung

Während vollzogene Selbstmorde bei Kindern unter 13 Jahren selten sind, sind suizidale Gedanken mit 15 % häufig. Unter diesen Kindern wiederum unternimmt jedes 6. auch einen Suizidversuch.

Finanzierung: National Institutes of Health, National Science Foundation.