Meta-Analyse findet klinisch signifikante Wirkung von Testosteron auf Depressionen bei Männern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die statistische Analyse von 27 Studien mit 1890 Teilnehmern ergab einen Depressions-mildernden Effekt ab einer Dosis von 0,5 g Testosteron / Woche, wenn die Symptom-Variabilität klein war. Die Autoren halten dies für klinisch signifikant, attestieren den zugrunde liegenden Studien aber gleichzeitig ein beträchtliches Risiko für Verzerrungen.

Hintergrund

Anti-Depressiva mit oder ohne Psychotherapie sind bei Depressionen die Behandlung der ersten Wahl, sie helfen aber längst nicht allen Patienten. Auf der Suche nach Alternativen wird eine Testosteron-Behandlung bei Männern kontrovers diskutiert.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse englischsprachiger Publikationen aus 5 Literaturdatenbanken unter Auswahl Placebo-kontrollierter Studien zur Behandlung depressiver Männer verschiedener Altersstufen mit und ohne Hypogonadismus.

Hauptergebnisse

  • Von 7690 Literaturverweisen wurden 469 mit den Einschlusskriterien abgeglichen und schließlich 27 mit 1890 Teilnehmern ausgewählt, die alle Voraussetzungen erfüllten.
  • Die Forscher fanden eine signifikante Reduktion depressiver Symptome unter Testosteron im Vergleich mit Placebo. Die Effektgröße (Hedges g) betrug 0,21, das Chancenverhältnis (OR) zugunsten der Testosteron-Gabe 2,30 bei eine 95%-Konfidenzintervall von 1,30 – 4,06.
  • Der Vergleich der Akzeptanz von Testosteron gegenüber Placebo wurde anhand der Daten zu Studienabbrüchen aus 25 Untersuchungen ermittelt und ergab ein OR von 0,79. Dies war bei einem 95%-KI von 0,61 – 1,01 kein signifikanter Unterschied.
  • Weitere statistische Analysen legten nahe, dass die Wirksamkeit der Testosteron-Behandlung mit höheren initialen Dosen und geringer Symptom-Variabilität zu Beginn der Therapie korrelierte. Dagegen gab es wenig Hinweise auf einen starken Einfluss des Alters, der initialen Testosteronspiegel, des Depressionsstatus, der Behandlungsdauer oder der Art der Testosteron-Verabreichung.
  • Auch bei sehr konservativen Annahmen blieb der Depressions-mindernde Effekt von Testosteron in einer Dosis von > 500 mg / Woche bei kleiner Symptom-Variabilität klinisch signifikant.

Klinische Bedeutung

Nach Kenntnis der Autoren ist die aktuelle Meta-Analyse die bislang größte Untersuchung zum Zusammenhang zwischen einer Testosteron-Behandlung und depressiven Symptomen bei Männern. Sie bestätigt und erweitert frühere Hinweise auf einen moderaten antidepressiven Effekt des Testosterons. Die Verbesserungen seien mit hochgerechnet 2,2 Punkten beim Beck-Depressions-Inventar im klinischen signifikanten Bereich. Demnach könnte eine Testosteron-Behandlung potenziell eine zusätzliche Therapie für Männer mit Depressionen sein, mit eher seltenen schädlichen Nebenwirkungen, was von den Kommentatoren Shalender Bhasin und Stuart Seidman allerdings bestritten wird. Eine Einschränkung sind mögliche Verzerrungen (Bias) in den zugrunde liegenden Studien. Die Autoren fordern deshalb als nächsten Schritt eine große, qualitativ hochwertige und randomisierte Studie.

Finanzierung: Keine Angaben.