Meta-Analyse: Bei Substanzmissbrauch kognitive Verhaltenstherapie plus Medikamente

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In der nach Kenntnis der Autoren ersten gezielten Meta-Analyse der Kombination von kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) und Pharmakotherapie bei Erwachsenen mit Substanzmissbrauch wurden zwar nur 30 Studien miteinbezogen, doch wird der CBT in diesem Setting ein Vorteil gegenüber der „üblichen“ Versorgung - wie etwa einer unspezifischen Drogenberatung - attestiert.

Hintergrund

Die Kombination aus Verhaltens- und medikamentöser Therapie gilt bei Substanzmissbrauch als die beste Option. Wie die Autoren schreiben, kommt in erster Linie die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) zum Einsatz, jedoch sei es unklar, ob sie anderen Verhaltenstherapien in Kombination mit Medikamenten überlegen ist.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse der veröffentlichten Literatur zur Kombination aus CBT und Pharmakotherapie bei Erwachsenen mit einer Alkoholmissbrauch-Erkrankung oder anderen Suchterkrankungen. Durchsucht wurden 5 Datenbanken für den Zeitraum von 1990 bis Mitte 2019 nach randomisierten klinischen Studien. Primäres Studienziel war die Häufigkeit und die Menge des Konsums nach der Therapie und während der Nachverfolgung.

Ergebnisse

  • Bei den 30 randomisierten klinischen Studien, welche die Forscher unter mehr als 12.000 Referenzen schließlich auswählten, ging es zur Hälfte um Alkohol, bei 23 % um Kokain, und bei 20 % um Opioide. Das Durchschnittsalter der Patienten war 39 Jahre, die meisten (72 %) waren männlich.
  • Die insgesamt 62 gemessenen Effektgrößen stammten aus folgenden Pharmakotherapien:
    • Naltrexon und/oder Acamprosat 42 %
    • Methadon oder die Kombination aus Buprenorphin und Naltrexon 18 %
    • Disulfiram 8 %
    • andere Einzel- oder Kombitherapien 32 %
  • In ihrem Zufallseffektmodell schätzen die Autoren den Nutzen einer kombinierten Verhaltens- und Pharmakotherapie gegenüber der Standardbehandlung („usual care“) mit einer standardisierten mittleren Differenz g von 0,18 – 0,28 ein.
  • Die CBT war den anderen spezifischen Therapien (Motivationsförderung, Bewältigungsstrategien etc.) allerdings nicht überlegen, und die Evidenz für den Nutzen als zusätzliche Therapie zur normalen Versorgung und Pharmakotherapie war „gemischt“.

Klinische Bedeutung

Die Befunde der US-amerikanischen Forschergruppe lauten, dass Ärzte bei ihren Verschreibungen die CBT oder andere Evidenz-basierten Therapien gegenüber „üblichen“ Formen des klinischen Managements und nichtspezifischer Beratung bevorzugen sollten, um bei Suchtkranken im Kontext einer Pharmakotherapie die besten Ergebnisse zu erzielen.

Finanzierung: National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA).