Meningokokken B: STIKO lehnt Standard-Impfung ab


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Seit über zwei Jahren wird in England eine Impfung aller Kinder gegen B-Meningokokken empfohlen. Die Inzidenz ging damit um rund 50 Prozent zurück.  Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut rät zwar zu einer Impfung von Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko, lehnt aber weiterhin eine Standardimpfung für alle Säuglinge ab.

Einer der Gründe besteht in einer recht niedrigen Krankheitslast, die außerdem in den letzten 15 Jahren stetig abgenommen hat. Zum anderen rechnet das Robert Koch-Institut mithilfe der Unterstützung der Universität Bristol vor, dass eine generelle Impfung nur relativ wenige Erkrankungsfälle verhindern könnte. „Unter der Annahme einer Impfquote von 65 Prozent und einer Abdeckung von 82 Prozent würden vermutlich pro Jahr nur 34 invasive Meningo­kokken-Infektionen, darunter drei Todesfälle, verhindert“, so das Statement einer Wissenschaftlerin aus Bristol. Die Impfkommission möchte zudem vorerst auf die Ergebnisse weiterer Untersuchungen zur Impfwirksamkeit warten.

Infektionen mit den Erregern treten in den Industrieländern eher selten auf. In Deutschland erkrankten in den letzten Jahren im Schnitt 315 Personen pro Jahr an invasiven Infektionen. Zwei Drittel der Infektionen betreffen Infektionen mit Neisseria meningitidis der Serogruppe B. Seit 2013 steht der Impfstoff Bexsero®zur Verfügung, seit Mai 2017 wurde auch Trumenba® für Personen ab zehn Jahren zugelassen. Wird die Diagnose zu spät gestellt, können Infektionen auch tödlich verlaufen oder zu schweren Behinderungen führen.