Mehrfach negativer PCR-Test, aber dennoch COVID-19

  • Deutsche Medizinische Wochenschrift

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Bei starkem klinischem Verdacht und typischen radiologischen Befunden für COVID-19 sollte trotz negativer SARS-CoV-2-PCR die Verdachtsdiagnose nicht vorschnell aufgegeben werden. Es ist sinnvoll, die betroffenen Patienten bis zur Klärung der Verdachtsdiagnose zu isolieren, wie die Krankengeschichte eines Patienten zeigt, die Ärzte des Krankenhauses Märkisch-Oderland in Strausberg schildern.

Der Patient und seine Geschichte

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 78-jährigen Mann, der Anfang April dieses Jahres - 19 Tage nach einer Kreuzfahrt - Schwäche, Husten und Temperaturen bis 38,3 °C entwickelte. Ein PCR-Test auf das neue Corona-Virus fiel negativ aus. Bereits zuvor (vier Tage nach der Kreuzfahrt) war ein erster nasopharyngealer Abstrich auf SARS-CoV-2 negativ gewesen. Wegen zunehmender Belastungsdyspnoe stellte sich der Mann schließlich in der Notaufnahme der Klinik für Innere Medizin im Krankenhaus Märkisch-Oderland vor.

Die Befunde

  • Bei Aufnahme hatte der Mann den Autoren zufolge subfebrile Temperaturen, eine Belastungsdyspnoe und rechtsbasale Rasselgeräusche. Die periphere Sauerstoffsättigung betrug unter Raumluft 94 %. Der CRP-Wert war mäßig erhöht (79 mg/l, normal 90), ebenso der O2-Partialdruck unter 2 l/min O (68 mmHg, normal > 75). 
  • Thorax-CT: bilaterale Milchglasinfiltrate, insbesondere in beiden Unterlappen
  • Ein erneuter PCR-Test am Aufnahmetag war ebenfalls negativ.

Diagnose und Verlauf

Da die symptomfreie Ehefrau des Patienten direkt nach Rückkehr von der Kreuzfahrt positiv auf das neue Corona-Virus getestet worden war, gingen die behandelnden Ärzte von einer COVID-19-Erkrankung aus, hospitalisierten den Patienten, und behandelten ihn auf der Isolierstation symptomatisch. Auch die bronchoalveoläre Lavage am vierten Klinik- und achten Krankheitstag ergab keine pathogenen Erreger und auch keinen Nachweis von SARS-CoV-2-RNA. Die definitive Diagnose COVID-19 lieferte dann - sieben Tage nach Beginn der Symptome -  ein ELISA-Test auf SARS-CoV-2: Die Ratio der IgA- und IgG-Antikörper war deutlich erhöht. Bereits nach 4 Tagen stationärer Behandlung hatte der Patient keine Belastungsdyspnoe mehr; bei abfallendem CRP-Wert wurde der Mann schließlich aus dem Krankenhaus entlassen.

Schlussfolgerungen

Bemerkenswert an dem Fall war, dass der PCR-Test trotz der klinischen und radiologischen COVID-19-Befunde zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten negativ ausfiel. Für die Infektionskrankheit sprach nach Angaben der Autoren vor allem der thorakale CT-Befund. Die PCR-Diagnostik auf SARS-CoV-2-RNA gelte zwar als hochspezifisch und sehr sensitiv. Retrospektive Fallserien hätten allerdings gezeigt, dass die Sensitivität des initialen thorakalen CT für eine COVID-19- Pneumonie höher sein könne als die der initialen PCR-Diagnostik aus pharyngealen Abstrichen oder Sputum. In einer Metaanalyse habe die Sensitivität des CT für COVID-19 94 Prozent betragen; allerdings sei die Spezifität mit 37 Prozent sehr gering gewesen. 

„Bei hochgradigem klinisch-anamnestischem Verdacht in Verbindung mit typischen Befunden der Thorax- Bildgebung sollte die Verdachtsdiagnose COVID-19 auch im Falle mehrfach negativer SARS-CoV-2-PCR aufrechterhalten bleiben", empfehlen die Autoren. Die Serokonversion trete einige Tage bis 2 Wochen nach Symptombeginn auf und könne im Verlauf zur endgültigen Diagnose genutzt werden.