Mehr Suizidgedanken und Selbstmordversuche nach Cannabis-Konsum im Jugendalter


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Wer vor dem 19. Lebensjahr Cannabis konsumiert, dessen Risiko für eine Depression erhöht sich in den Folgejahren um mehr als ein Drittel. Noch stärker erhöht ist das Risiko für Selbstmordgedanken und Suizidversuche, so das Ergebnis einer Meta-Analyse von 11 Studien.

Hintergrund

Cannabis ist die am häufigsten von jungen Menschen gebrauchte illegale Droge weltweit. Frühere Untersuchungen zu den psychischen Folgen haben sich zunächst auf einen möglichen Zusammenhang mit Psychosen konzentriert. Im Vergleich dazu weiß man bisher nur wenig darüber, wie sich der Konsum von Cannabis im jungen Erwachsenenalter auf das Gemüt und die Suizidalität auswirken.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse nach Auswertung von 5 Literaturdatenbanken bezüglich prospektiver Langzeitstudien, bei denen der Cannabis-Konsum mindestens ein Mal vor Ende des 18. Lebensjahres gemessen, und bei denen die Entwicklung von Depressionen bis zum Alter von 32 Jahren bestimmt wurde.

Hauptergebnisse

  • Unter insgesamt 3142 Publikationen konnten letztlich nur 11 Studien mit 23.317 Individuen in die quantitative Analyse mit aufgenommen werden.
  • Das Chancenverhältnis OR, eine Depression zu entwickeln betrug für Cannabis-Konsumenten gegenüber Nicht-Konsumenten 1,37 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,16 – 1,62. Für Angststörungen ergab sich ein OR von 1,18, was jedoch bei einem 95%-KI von 0,84 – 1,67 nicht signifikant war.
  • Cannabis-Konsumenten hatten 50 % häufiger Suizidgedanken (OR 1,50; 95%-KI 1,11 – 2,03).
  • Selbstmordversuche waren mit einer OR von 3,46 und einem 95%-KI von 1,53 – 7,84 unter Cannabis-Konsumenten ebenfalls deutlich häufiger.

Klinische Bedeutung

Das individuelle Risiko für Depressionen und Suizidalität unter jugendlichen Cannabis-Konsumenten sei zwar „moderat bis gering“, und müsse noch in größeren prospektiven Studien bestätigt werden, schreiben die Autoren. Angesichts der hohen Prävalenz des Cannabis-Konsums seien davon aber eine große Zahl von jungen Menschen betroffen, was dies zu einem „wichtigen Problem für das Gesundheitswesen“ mache, das von der Politik ernst genommen werden sollte.

Finanzierung: Canadian Institutes of Health; Quebec Network on Suicide, Mood Disorders and Related Disorders; National Institute for Health Research.