Mehr Sterbefälle aufgrund von Diabetes als bisher geschätzt


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Diabetes ist in Deutschland weit höher als bislang geschätzt. Die offizielle Todesursachenstatistik gibt beispielsweise für das Jahr 2010 lediglich rund 23.000 Sterbefälle aufgrund von Diabetes an. Eine aktuelle Studie des Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf rechnet jetzt vor, dass diese Zahl in Wirklichkeit um ein Vielfaches höher liegt.

Diese Differenzen ergeben sich aufgrund der Tatsache, dass seit dem Jahr 2014 Versorgungsforscher Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung nutzen dürfen, die für den morbiditätsorientieren Risikostrukturausgleich erhoben werden. Ältere Daten zur diabetesassoziierten Sterblichkeit basierten hingegen meist auf regional begrenzten Kohortenstudien.

Die aktuellen Daten umfassen rund 90 Prozent der deutschen Bevölkerung und bilden alle Altersklassen ab. Die Häufigkeit von Diabetes unter den rund 65 Millionen gesetzlich Versicherten lag demnach 2010 bei 10,1 Prozent. 7,1 Prozent davon entfallen auf Typ-2-Diabetiker.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass im Jahr 2010 rund 175.000 Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn die Mortalität bei Diabetikern genauso hoch gewesen wäre wie bei Menschen ohne Diabetes. Damit seien rund 21 Prozent aller Todesfälle in Deutschland auf Diabetes zurückzuführen, 16 Prozent davon auf Diabetes Typ 2.

Zwischen 1990 und 2010 hat sich die Zahl der der diabetesbedingten Sterbefälle verdoppelt. Die Lebenserwartung von Menschen mit Diabetes ist um rund fünf bis sechs Jahre verkürzt.