Mehr Lymphödeme bei Brustkrebspatientinnen mit Übergewicht und nach langer neoadjuvanter Chemotherapie

  • JAMA Surgery

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Das Risiko für nodal-positive Brustkrebspatientinnen, nach einer neoadjuvanten Chemotherapie ein Lymphödem zu erleiden, steigt mit der Dauer dieser Therapie und dem Gewicht der Betroffenen.

Hintergrund

Die meisten Untersuchungen zu Lymphödemen hatten heterogene Studienpopulationen und legten den Schwerpunkt auf Patientinnen, deren Brustkrebs mit einer adjuvanten Chemotherapie behandelt wurde. Im Fokus der aktuellen Studie standen dagegen jene Faktoren, die bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall nach einer neoadjuvanten Chemotherapie (NAC) und Dissektion der Lymphknoten mit einem Lymphödem assoziiert sind.

Design

Kohortenstudie mit 486 erwachsenen Brustkrebs-Patientinnen (Durchschnittsalter 50,1 Jahre) mit dem Status cTO-T4N1-2MO und zum Zeitpunkt der Diagnose nachgewiesenem Befall der Lymphknoten der Achselhöhle, die an der Studie Z1071 der American College of Surgeons Oncology Group teilgenommen hatten. Alle Patientinnen hatten eine NAC erhalten, und zusätzlich zur Brustkrebsoperation waren die axillären Lymphknoten entfernt worden. Gemessen wurde der Umfang der Arme nach der NAC und in Abständen von 6 Monaten bis zu 3 Jahren danach.

Ergebnisse

  • Die kumulative Inzidenz an Lymphödemen lag nach 3 Jahren bei 37,8 %.
  • Das Armvolumen war bei 58,4 % der Frauen um mindestens 10 % vergrößert, und bei 36,9 % um mindestens 20 %.
  • Eine Assoziation mit Lymphödem-Symptomen fanden die Forscher bei einer Dauer der NAC von mindestens 144 Tagen (Chancenverhältnis HR 1,48 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,01 – 2,17). Unter diesen Umständen war auch das Risiko für eine Zunahme des Armvolumens um mindestens 20 % erhöht: HR 1,79; 95%-KI 1,19 – 2,68.
  • Als weniger starker, aber ebenfalls signifikanter Risikofaktor erweis sich die Zunahme des BMI (HR 1,04; 95%-KI 1,01 – 1,06) sowie – in der multivariablen Analyse – Adipositas (HR 1,03; 95%-KI 1,01 – 1,06).
  • Für die adjuvante Strahlentherapie ergab sich keine Assoziation, was jedoch laut den Autoren auch damit zusammenhängen könnte, dass nur 13 % der Frauen keine Bestrahlung bekamen – zu wenige, für eine belastbare Analyse.

Klinische Bedeutung

Die Dauer der NAC und Adipositas sind zwei Faktoren, die das Auftreten eines Lymphödems begünstigen und die nach Ansicht der Autoren Anlass zu einer verstärkten Überwachung sein könnten. Allerdings ist es denkbar, dass die Dauer der NAC mit der Schwere der Krankheit korrelierte, und die Assoziation mit Adipositas war vergleichsweise schwach. Ob die Lymphödeme daher durch postoperative Interventionsmaßnahmen zu verhindern wären, oder durch den teilweisen Verzicht auf die Lymphknotendissektion müsste in prospektiven Studien geklärt werden.

Finanzierung: National Cancer Institute.