Mehr Homizide und Suizide infolge der COVID-19-Pandemie?

  • Michael Simm|Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Sektionen von 825 Verstorbenen an der Universität Leipzig in Kombination mit polizeilichen Ermittlungen deuten auf eine mögliche Zunahme gewaltsamer Todesfälle infolge der COVID-19-Pandemie.

Hintergrund

Im Rahmen der COVID-19-Pandemie wurde in fast allen Ländern der Welt eine erhebliche Übersterblichkeit festgestellt. Als Ursache werden letale Krankheitsverläufe angenommen. Ob auch pandemieassoziierte gewaltsame Todesfälle eine Rolle spielen, wurde bislang nur vereinzelt untersucht.

Design

Retrospektive Studie des Leipziger Instituts für Rechtsmedizin anhand 825 Sektionsgutachten des Jahres 2020, darunter 74 Suizide und 14 Homizide. Gefragt wurde nach einem möglichen Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie unter Einbeziehung der kriminalpolizeilichen Ermittlungen sowie der Todesursachenstatistik der zuständigen Behörden.

Ergebnisse

  • Als „durch die COVID-19-Pandemie motiviert“ wurden eingestuft:
    • 5 von 72 Suiziden (6,94 %), und
    • 1 von 14 Homiziden (7,14 %).
  • Motive waren unter anderem: Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbote, Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 und pandemiebedingte Veränderungen im sozialen Umfeld.

Klinische Bedeutung

Die Zahl der Suizide war in Deutschland in den Jahren 2015 – 2020 rückläufig, für das gesamte Land war auch 2020 kein signifikanter Anstieg der Suizide erkennbar, berichten die Rechtsmediziner. Dagegen sei die Zahl der Suizide in Sachsen im ersten Pandemiejahr 2020 um 8,7 % angestiegen, was aber nicht signifikant war. Die erfassten Suizide wurden als pandemieassoziiert eingestuft, und die Autoren sehen ihre Hypothese bestätigt, die COVID-19-bedingte Übersterblichkeit auch auf pandemieassoziierte gewaltsame Todesfälle zurückzuführen ist.

Finanzierung: Keine.