Mehr Bio-Ernährung, weniger Brustkrebs und Lymphome


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein höherer Anteil von Biolebensmitteln in der Nahrung ist mit einem geringeren Krebsrisiko assoziiert, so das Ergebnis einer großen prospektiven Kohortenstudie mit fast 69.000 Teilnehmern aus Frankreich (1). Reduziert sind vor allem Non-Hodgkin-Lymphome und postmenopausale Brustkrebserkrankungen. Andere mögliche Einflussfaktoren des Lebensstils sind in der Analyse herausgerechnet. Nicht zweifelsfrei geklärt ist jedoch der Zusammenhang zwischen chemischem Pestizidgehalt der Lebensmittel und dem Krebsrisiko. Das hat methodische Gründe.

Hintergrund

Seit längerem gehen Wissenschaftler davon aus, dass chemische Insektizide und Herbizide wie organische Phosphorverbindungen oder Triazine chronische Krankheiten bei Mensch und Tier hervorrufen können wie Malignome oder neurodegenerative Erkrankungen (2). Bislang aber gab es wenige prospektive Studien, die einen Zusammenhang zwischen biologisch hergestellten Nahrungsmitteln und der Häufigkeit von Tumoren untersucht haben. Dies war Fragestellung der großen, prospektiven NutriNet-Santé-Studie in Frankreich.

Design

  • prospektive, populationsbasierte Kohortenstudie mit Erwachsenen, die im Jahr 2009 ausführlich Fragen zur Ernährung, zum Lebensstil und zu anthropometrischen Daten beantwortet hatten
  • Studienpopulation: 68.946 Teilnehmer, zu 78 % weiblich, durchschnittliches Alter: 44,2 Jahre; ausgeschlossen waren Personen mit Malignomdiagnosen in der Anamnese
  • Art der Datenerhebung: Fragen zur Häufigkeit des Konsums von biologisch hergestellten Lebensmitteln aus 16 Nahrungsmittelgruppen wie Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Eiern, Getreideprodukten, Tee, Kaffee, Brot, Wein oder Süßwaren.
  • Klassifizierung der Häufigkeit in einen Score zwischen 0-32 (0: kein Konsum von Biolebensmitteln, 32: meistens Biolebensmittel)

Hauptergebnisse

Nach einem durchschnittlichen follow-up von 4,56 Jahren wurden 1340 neue Krebserkrankungen diagnostiziert, am häufigsten Brustkrebs, Prostatakarzinome, Hautkrebs, kolorektale Karzinome und Non-Hodgkin-Lymphome. Hohe Biolebensmittel-Score-Werte waren invers mit dem Risiko für Malignomerkrankungen assoziiert: Das Risiko in der obersten Quartile des Scores war um 25 % niedriger als in der untersten Quartile des Scores (Hazard Ratio: 0,75; p = 0,001). Mögliche andere Einflussfaktoren als die Art der Nahrungsmittel wurden in der Analyse berücksichtigt. Bei einer Auswertung unter dem Aspekt der Tumorentitäten ergab sich, dass die Vorteile der Biolebensmittel auf einer Reduktion der Non-Hodgkin-Lymphome und der postmenopausalen Mammakarzinome basierten.

Klinische Bedeutung

Der Verzehr von vorwiegend biologisch hergestellten Nahrungsmitteln ist einer großen Kohortenstudie zufolge mit weniger Krebserkrankungen assoziiert, vor allem Brustkrebs und Non-Hodgkin-Lymphome. Als Einschränkungen für die Interpretation nennen die Autoren, dass der Gehalt an chemischen Pestiziden in der aufgenommenen Nahrung nicht direkt habe festgestellt werden können und Befragungen grundsätzlich Unsicherheiten durch subjektive Wahrnehmung bergen. Obwohl die Ergebnisse einer Bestätigung bedürften, weisen sie doch nach Meinung der Autoren daraufhin, dass eine Förderung von Biolebensmitteln eine erfolgversprechende gesundheitspolitische Strategie sei.

Finanzierung: Mittel von französische r Regierung und Universitäten