Meditations-App verbessert Konzentration und Gedächtnis

  • Nature Human Behaviour

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Atemübungen mit einer Mediations-App können kurzfristig zu einer deutlichen Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit führen und sich außerdem positiv auf das Arbeitsgedächtnis auswirken.

Hintergrund

Für die jüngeren Generationen sind Informationstechnologien und Multi-Tasking Alltag. Gleichzeitig stellen sie jedoch gewaltige Anforderungen an die Aufmerksamkeit. Sie bei gesunden jungen Erwachsenen zu verbessern ist laut den Autoren bekanntermaßen schwierig, sodass sie versucht haben, eine Achtsamkeits-basierte Meditation in Form einer App zu verwirklichen.

Design

Die Forscher wollten mit ihrer Arbeit östliche und westliche Elemente kombinieren, um die Aufmerksamkeit zu verbessern. Sie haben deshalb eine digitale Version traditioneller Methoden einer geführten Meditation entwickelt, die in Form einer App auf dem Smartphone läuft. Dieses „MediTrain“-Programm soll den Nutzern beibringen, sich auf das Atmen zu konzentrieren und das Abschweifen der Gedanken durch einen adaptiven Algorithmus zu verhindern. Es wurde über 6 Wochen von 24 jungen Erwachsenen daheim getestet. Als Vergleichsgruppe dienten 20 weitere Personen, die andere Apps benutzten, die jedoch vorab mit den gleichen Erwartungen an eine verbesserte Aufmerksamkeit verknüpft waren wie die Interventions-App.

Ergebnisse

  • Mit der MediTrain-App verbesserten die Probanden die Zeitdauer, während der sie sich auf ihre Atmung konzentrieren konnten, von durchschnittlich 20 Sekunden am ersten Tag, über 47,5 am Ende der ersten Woche auf 346 Sekunden nach 25 Tagen Training.
  • Als Maß für die Aufmerksamkeit und primäres Studienziel wurde die intra-individuelle Variabilität zwischen den Versuchsreihen in der Reaktionszeit auf einen selten eingeblendeten Stimulus gemessen (RTVar). Die RTVar gilt als Maß für die Aufmerksamkeit unter Ablenkung und ist bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöht. Hier waren die Probanden in der MediTrain-Gruppe signifikant besser und zeigten im Gegensatz zur Placebogruppe eine ebenfalls signifikante Abnahme im Verlauf der Trainings.
  • Aus zuvor mit anderen Tests gewonnen EEG-Daten ermittelten die Forscher zudem 3 Korrelate der Aufmerksamkeit, deren Veränderung während des Trainings dann in den EEG-Daten der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe miteinander verglichen wurden. Bei 2 dieser Parameter fanden sich signifikante stärkere Ausprägungen in der Interventionsgruppe (frontal-mittige Theta-Werte und frühere parietale P3b-Latenzen).
  • In einem Test für das Arbeitsgedächtnis fanden sich schließlich nach dem Training signifikant höhere Kapazitäten in der MediTrain-Gruppe.

Klinische Bedeutung

Parallel zur mutmaßlichen Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne junger Menschen ist die Verschreibung von Stimulantien in manchen Industrieländern deutlich angestiegen und hat unter US-Studenten eine Rate von bis zu 43 % erreicht. Die aktuelle Untersuchung legt nahe, dass ein auf die Lebensumstände junger Menschen zugeschnittenes Mediationsprogramm bei Gesunden die Aufmerksamkeit durch die Stabilisierung des zugrunde liegenden neuronalen Netzwerkes verbessern könnte; es stellt daher eine attraktive Option dar, deren möglicher Nutzen auch bei Personen mit ADHS im Vergleich zu psychiatrischen Interventionen prüfenswert erscheint. Dabei müsste dann auch die Wirkungsdauer der Intervention überprüft werden, was in der aktuellen Studie versäumt wurde.

Finanzierung: Jamie Gates, Evan and Sara Williams, Zynga.org und National Institutes of Health.