Medikation hoch effektiv, Adhärenz gering: HIV-Präexpositionsprophylaxe bei Jugendlichen


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Eine tägliche Einnahme von TDF/FTC hatte sich in früheren Studien bei erwachsenen HIV-negativen Männern (> 18 Jahre) mit hohem HIV-Ansteckungsrisiko als gut wirksame Präexpositionsprophylaxe (PrEP) erwiesen und ist für diese Indikation in den USA zugelassen. Nun wurde die Strategie bei männlichen Jugendlichen untersucht, die Sex mit Männern in Hochrisikosituationen haben.

Kernbotschaften

Die Kombination Tenofovir-Disoproxilfumarat/Emtricitabin (TDF/FTC) senkt bei 15-17jährigen Jugendlichen, die Sex mit Männern und ein hohes HIV-Ansteckungsrisiko haben, die Virusübertragungsrate sehr effektiv. Aber die Adhärenz lässt rasch nach, so dass über längere Zeit nur bei wenigen Jugendlichen protektive Wirkstoffspiegel erhalten bleiben.

Hauptergebnisse

78 Jugendliche (15-17 Jahre alt) nahmen an der Untersuchung teil. Sie waren bei Aufnahme in die Studie HIV-negativ. Ihnen wurden nicht-medikamentöse Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung empfohlen und zusätzlich TDF (300 mg) plus FTC (200 mg) als Kombinationspräparat in einer Tablette ein Mal täglich. Primärer Endpunkt der Studie waren Sicherheit und Adhärenz.

Nach 48 Wochen hatten sich 23 Teilnehmer infiziert. Die Infektionsrate lag deutlich höher, wenn die Medikamentenkonzentrationen – gemessen in angetrocknetem Blut – unter die protektive Wirksamkeitsgrenze gefallen war, wenn also die Probanden die Medikamente nicht regelmäßig einnahmen. Die Compliance sank von 54 Prozent zu Woche 4 stetig ab und lag bei 22 Prozent in Woche 48. Die PreP TDF/FTC war gut verträglich, klinisch relevante unerwünschte Effekte wurden nicht beobachtet.

Design

Von 260 Jugendlichen, die die Einschlusskriterien erfüllten, wurden 78 in die Studie aufgenommen.

Sie gaben an, Sex mit Männern zu haben in Situationen mit hohem Ansteckungsrisiko. Risikofaktoren waren unter anderem ungeschützter Sex, häufig wechselnde Partner, bezahlter Sex und Lebensumstände, die mit erhöhtem Risiko assoziiert sind wie Substanzmittelmissbrauch.

Klinische Bedeutung

Eine PrEP mit TDF/FTC ist auch bei Jugendlichen mit hohem HIV-Ansteckungsrisiko sicher und senkt die Ansteckungsrate signifikant. Allerdings nimmt die Medikamentenadhärenz bei Jugendlichen rasch ab. Dies wird unter anderem mit der Angst vor Stigmatisierung erklärt, wenn die Arzneimitteleinnahme von anderen wahrgenommen wird. Botschaft der Autoren: Grundsätzlich sei es sinnvoll, auch Jugendlichen die Option einer medikamentösen PreP gegen HIV anzubieten, wenn sie in Hochrisikosituationen sind. Allerdings sollte die PreP mit einer intensiveren zielgruppenadaptierten Begleitung kombiniert sein.