Medikation bei rheumatoider Arthritis: zu spät und zu wenig


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nur knapp 40 % der Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis erhalten in Deutschland mindestens ein Mal im Verlauf von 12 Monaten nach Erstdiagnose in der Leitlinie empfohlene Arzneimittel. Das belegt eine Analyse der Daten von mehr als 55.000 gesetzlich Krankenversicherten mit rheumatoider Arthritis aus den Jahren 2011-2014. Deutsche Patienten sind damit deutlich unterversorgt. Sie werden zu spät und häufig nicht konsequent genug therapiert.

Hintergrund

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste und kostenintensivste entzündlich rheumatische Erkrankung mit chronischem Verlauf. Die Prävalenz lieg bei 1 %. In Deutschland leben circa 800.000 Menschen mit RA. Durch krankheitsmodifizierende Antirheumatika (disease-modifying anti-rheumatic drug; DMARD) und die Einführung der Biologika kann die Entzündungsaktivität bei RA fast vollständig unterdrückt werden, so dass keine oder nur wenig Strukturschäden oder erosive Gelenkveränderungen eintreten. Durch Arzneimittel in Kombination mit Frühdiagnose und der Strategie „treat to target“ lassen sich gute Behandlungsergebnisse bei RA erzielen. Das Konzept war bereits in die früheren S1-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) aufgenommen worden (1). An den Leitlinien soll sich die Versorgung von RA-Patienten orientieren. Ob dies in den Jahren 2011-2014 erfolgt ist, war Fragestellung einer Auswertung der Daten von mehr als 50.000 gesetzlich versicherten RA-Patienten (2).

Design

  • retrospektive Kohortenanalyse
  • Studienpopulation: 55 538 RA-Patienten, die gesetzlich versichert waren (Techniker-Krankenkasse)
  • Zeitraum der Abrechnungsdaten: 2011-2014
  • Subgruppenanalysen:
    • inzidente Patienten mit einem diagnosefreien Zeitraum von 1 Jahr vor der Erstdiagnose RA („wash-out-Phase“), um mindestens 1 krankheitsfreies Jahr vor der Diagnose zu garantieren
    • prävalente Patienten: Studienteilnehmer mit Haupt- oder Nebendiagnose RA innerhalb von 3 Folgequartalen

Haupte rgebnisse

29,7 % von 55.538 RA-Patienten waren inzidente Patienten und 70,3 % prävalente Patienten. 22,3 % der Gesamtgruppe hatten eine seropositive chronische Polyarthritis. Nur 21.616 Versicherte (38,9 %) bekamen mindestens ein Mal innerhalb eines Jahres nach der Erstdiagnose ein in der Leitlinie empfohlenes konventionelles DMARD oder Biologikum verordnet. Bei den inzidenten Patienten lag die Versorgungsquote mit DMARDs unterhalb der prävalenten Patienten (31,5 vs. 42,1 %). Außerdem erhielten  nur 60,9 % der seropositiven Patienten einen Einzelwirkstoff nach Index-Diagnose. Wenn ein Basistherapeutikum verordnet wurde, dann wurde dies durchschnittlich innerhalb eines Quartals nach Erstdiagnose verschrieben. Die führende Rolle in der Verschreibung von Basistherapeutika für die Indexmedikation übernahm der Rheumatologe. Aber nur 68,3 % der Patienten konsultierten mindestens einmal innerhalb 1 Jahres nach der Erstdiagnose einen rheumatologisch tätigen Facharzt.

Klinische Bedeutung

In der kassenärztlichen Versorgung ist die Verordnung von Basistherapeutika bei der medikamentösen Therapie der RA unzureichend und entspricht nicht der S1-Leitlinie der DGRh. Eine angemessene ambulante rheumatologisch-fachärztliche Versorgung ist nur für einen kleinen Teil der RA-Patienten gegeben. Wesentliche Ursache dafür sei der Facharztmangel in der Rheumatologie, so die Autoren der Studie.

Finanzierung: keine Angaben