Medikamenten-Kopfschmerz: Früher Entzug erhöht offenbar die Heilungschancen

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch (MOH) führten Entzugsmaßnahmen bei gleichzeitiger medikamentöser Prävention am ehesten zum Erfolg. Die Heilungschancen waren 30 % höher als bei alleiniger Prophylaxe.

Hintergrund

Medikamenten-induzierter Kopfschmerz (Medication overuse headache, MOH) ist ein weit verbreitetes und debattiertes klinisches Problem. Weltweit liegt die Prävalenz zwischen 0,7 und 1,0 %. Die Evidenz für das beste therapeutische Vorgehen ist allerdings begrenzt.

Design

Offene, randomisierte Studie mit 6 Monaten Nachverfolgung von 120 Patienten (Frauenanteil 79,4 %, Durchschnittsalter 43,9 Jahre), die eine von drei Behandlungen erhielten: Entzug plus vorbeugende Behandlung, vorbeugende Behandlung ohne Entzug, sowie Entzug mit einer optionalen präventiven Therapie zwei Monate danach. Primäres Studienziel war die monatliche Zahl der Tage mit Kopfschmerzen am Ende der Studie, sekundär wurden gemessen die Veränderung bei der Zahl der Migränetage / Monat, Medikationsgebrauch, Schmerzintensität, Zahl der Responder, Patienten mit Remission zu episodischen Kopfschmerzen und Heilung von MOH.

Ergebnisse

  • Die Zahl der Kopfschmerztage / Monat reduzierte sich um
    • 12,3 unter Entzug plus Prävention
    • 9,9 durch Prävention alleine und
    • 8,5 unter Entzug mit optionale Prävention
  • Die 95%-Konfidenzintervalle in den 3 Gruppen überlappten sich jedoch, P wurde mit 0,20 bestimmt.
  • Es gab keine Unterscheide bei der Reduktion der Migränetage, dem kurzfristigen Gebrauch von Medikamenten, oder der Intensität der Kopfschmerzen.
  • Eine Remission zu episodischen Kopfschmerzen bzw. Heilung erreichten bei statistische signifikanten Unterschieden (P = 0,03) zwischen den Gruppen
    • durch Entzug plus Prävention 74,2 / 96,8 %
    • durch Prävention alleine 60 / 74,3 %
    • durch Entzug mit optionale Prävention 41,7 / 88,9 %
  • Diese Werte entsprechen einer um 30 % größeren Chance (RR 1,3; 95%-Konfidenzintervall 1,1 – 1,6) einer Heilung von MOH durch die kombinierte Vorgehensweise gegenüber einer alleinigen Prävention.

Klinische Bedeutung

Möglicherweise hatte die Studie zu wenige Patienten, um statistisch signifikante Unterschiede beim primären Zielkriterium nachzuweisen. Basierend auf den sekundären Outcomes empfehlen die Autoren dennoch die Kombination von Entzug und Prävention von Anfang an. Im Gegensatz dazu empfiehlt die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) nach dem Aufklärungsgespräch eine Prophylaxe, und rät zu einer Medikamentenpause erst, wenn diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

Finanzierung: Das Gehalt der Erstautorin wurde bezahlt von der Tryg Foundation.