MDK-Ärzte auf der Suche nach Behandlungsfehlern

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Berlin (pag) – Die Ärzte der 15 Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) haben im vergangenen Jahr 13.519 Gutachten aufgrund vermuteter Behandlungsfehler erstellt. Jeder vierte Verdacht hat sich bestätigt – die häufigsten Fälle in der Pflege. Diese Ergebnisse der MDK-Begutachtungsstatistik werden in Berlin vorgestellt. 

Erstmals sei die Anzahl der Gutachten seit vier Jahren niedriger als im Vorjahr. Für 2017 bestätigt der MDK, dass 3.337 Patienten durch Fehler zu Schaden gekommen sind. Bei jedem fünften Fall (19,9 Prozent) war der Fehler die Ursache für den eingetretenen Schaden. Dieser Nachweis ist eine Voraussetzung dafür, dass Patienten Schadensersatzansprüche stellen können. Auf den Krankenhaussektor entfallen zwei Drittel der Vorwürfe, ein Drittel der Behandlungen gehen auf das Konto niedergelassener Ärzte. Nach Fachgebieten weist die Statistik folgende Leistungsbereiche aller gemeldeten Verdachtsfälle aus: 31 Prozent (4.250 Fälle) Orthopädie/Unfallchirurgie, 13 Prozent (1.746 Fälle) Innere Medizin/Allgemeinmedizin, 9 Prozent (1.203 Fälle) Allgemeinchirurgie, 8 Prozent (1.150 Fälle) Zahnmedizin, 8 Prozent (1.041 Fälle) Gynäkologie und 5 Prozent (663 Fälle) die Pflege. Am häufigsten bestätigten die MDK-Fachärzte Fehlervorwürfe in der Pflege (49,8 Prozent), gefolgt von der Zahnmedizin (35,2 Prozent) und an dritter Stelle die Frauenheilkunde (27 Prozent). 

Eine hohe Zahl an gemeldeten Fällen in der Chirurgie sage nichts über das Risiko in diesem Fachgebiet aus, meint Prof. Astrid Zobel, leitende Ärztin des MDK Bayern. „Viele Vorwürfe beziehen sich auf chirurgische Eingriffe, weil Patienten diese oft leichter an den Folgen erkennen können als zum Beispiel Medikationsfehler“, so Zobel. Die Präsentation der Behandlungsfehlerstatistik nimmt der MDK erneut zum Anlass, eine gesetzliche Meldepflicht über Behandlungsfehler nach dem Vorbild des Arbeitsschutzes zu fordern. Seit Jahrzehnten würden Arbeitsunfälle verpflichtend erfasst – die Unfallquote habe sich damit einhergehend seit 1996 fast halbiert. Leistungserbringer in der Medizin sollten selber Fälle anonym an eine unabhängige Stelle melden, ohne eine Bestrafung befürchten zu müssen. Bislang wisse man nicht, wo vermehrt Fehler auftreten. Der Spitzenverband des MDK schlägt vor, eine Liste mit 30 meldepflichtigen groben Behandlungsfehlern für Ärzte zu erstellen.