Masern: DGIM ruft dazu auf, Impflücken bei Erwachsenen zu schließen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Folgt auf Fieber, Schnupfen, Husten und Augenentzündung ein roter, fleckiger Ausschlag am ganzen Körper, sollte immer auch an eine Maserninfektion gedacht werden. Dies gilt insbesondere für Jugendliche und Erwachsene zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Denn rund ein Drittel der Masernfälle in Deutschland treten mittlerweile in dieser Altersgruppe. auf. Grund dafür sei, dass erkrankte Erwachsene  in der Vergangenheit nur eine der beiden erforderlichen Impfungen erhalten haben, so das Fazit der Pressekonferenz am vergangenen Sonntag anlässlich des Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim. 

Grundsätzlich empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) die erste Impfung gegen Masern für Kleinkinder im Alter zwischen elf und 14 Monaten, die zweite dann zwischen 15 und 23 Monaten. Allerdings erhielten nach RKI-Angaben im Jahr 2015 nur 74 Prozent der Zweijährigen eine zweite Immunisierung. „Dabei gewährleistet erst die zweite Impfung einen nahezu 100-prozentigen Schutz vor Masern“, sagte Prof. Sabine Wicker, Vorsitzende der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln beim Robert Koch-Institut.

Fehle der vollständige Impfschutz können sich Masern zu einer schweren Systemerkrankung entwickeln. Denn das Virus habe die Fähigkeit, das Immunsystem zu schwächen. „Dadurch steigt die Anfälligkeit für weitere Krankheiten und Komplikationen, etwa Mittelohr-, Lungen- und Gehirnhautentzündungen“, erläuterte Wicker. Vor allem Kinder unter fünf und Erwachsene über 20 Jahren haben dabei das größte Risiko für schwerwiegende Folgen.

Um die Impflücken aus der Vergangenheit zu schließen, empfiehlt die STIKO seit August 2010 allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und noch gar nicht oder in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft wurden, eine einmalige Impfung vorzugsweise mit MMR-Impfstoff. Vor 1970 Geborene haben indessen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Masern bereits durchgemacht. Aber auch Urlauber sollten vor Antritt der Reise den Impfschutz vom Arzt prüfen lassen und die Masernimpfung gegebenenfalls nachholen, riet Wicker.

Die Empfehlung soll ebenso dazu beitragen, die Herdenimmunität zu stärken und so Personen zu schützen, die selbst nicht aktiv geimpft werden können. „Damit tut der Einzelne nicht nur etwas für sich, sondern auch zum Schutz der ganzen Bevölkerung,“ betonte der Generalsekretär der DGIM, Prof. Ulrich Fölsch aus Kiel. Nur durch konsequentes Impfen lassen sich Masernausbrüche in der Bevölkerung, wie zuletzt in Köln, verhindern und damit die Elimination der Masern im europäischen Raum voranbringen.