Maschinelle Beatmung: Leichter Überlebensvorteil bei Ulkusprophylaxe mit H2-Rezeptorblockern

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei längerer invasiver Beatmung erhalten viele Patienten eine Stressulkusprophylaxe. Eine internationale prospektive Studie mit fast 27.000 Intensivpatienten belegt: Histamin-2-(H2-) Rezeptorinhibitoren haben beim Parameter der 90-Tage-Mortalität leichte Vorteile gegenüber Protonenpumpenhemmern (PPI). Die PPI wiederum sind mit etwas weniger Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt assoziiert als H2-Rezeptorblocker.

Hintergrund
Bei Intensivpatienten mit maschineller Beatmung erhöht sich das Risiko für Stressulzera im oberen Magendarmtrakt und damit für gastrointestinale Blutungen. Zur Ulkusprophylaxe bei Patienten, die nicht intensivpflichtig sind, werden zunehmend PPI verwendet gegenüber Antazida oder H2-Rezeptorblockern. Bei Intensivpatienten gab es bisher keine validen Daten zum Vergleich von Wirkungen und Nebenwirkungen beider Medikamente. In einer internationalen prospektiven Studie ist diese Frage in einem Cross-Over-Design untersucht worden.

Design

  • Prospektiv randomisierte Studie an 50 intensivmedizinischen Versorgungseinheiten (ICU) in 5 Ländern (August 2016 bis Januar 2019)
  • Randomisierung von jeweils 25 ICU in eine Gruppe, die zunächst open-label H2-Rezeptorblocker zur Ulkusprophylaxe anwendete und dann zu Open-Label PPI wechselte, und in eine zweite Gruppe, die die Medikamente in umgekehrter Reihenfolge anwendete.
  • 26.982 Intensivpatienten (median 58 Jahre alt) wurden randomisiert mit der Studienmedikation therapiert und von 26.828 lagen komplette Daten vor
  • Primärer Endpunkt war die 90-Tage-Mortalität, zu den sekundären Endpunkten gehörten gastrointestinale Blutungen.

Hauptergebnisse
Die 90-Tage-Mortalität lag bei Anwendung von H2-Rezeptorblockern bei 17,5 % und bei der Gabe von PPI bei 18,3 %. Der Unterschied von 0,8 Prozentpunkten war zwar nicht statistisch signifikant. Er könnte aber vor dem Hintergrund der in Industrienationen hohen Anzahl jährlich intensivmedizinisch versorgter Patienten durchaus relevant sein, so die Autoren. Klinisch bedeutende Blutungen waren wiederum unter H2-Rezeptorblockade etwas häufiger als bei PPI-Therapie (1,8 % vs. 1,3 %). Bei den Clostridium-Infektionen, einer potenziellen Nebenwirkung von PPI, und bei der Dauer der Krankenhausaufenthalte gab es keine Unterschiede.

Klinische Bedeutung
Ein künstlicher Luftweg und die mechanische Beatmung erhöhen die Überlebenschancen kritisch Kranker. Mindestens 370.000 Patienten werden Schätzungen zu Folge allein in Deutschland jährlich maschinell beatmet. Nominell kleine Unterschiede zu Therapieeffekten in Studien können daher eine große Anzahl von Patienten betreffen. Deshalb äußerten die Autoren, dass trotz fehlender statistischer Signifikanz ein Unterschied von 0,8 % in der 90-Tage-Mortalität zugunsten der H2-Rezeptorblocker klinisch relevant sein könnte. Unsicherheiten in der Interpretation bestünden vor allem deshalb, weil circa 20 % der Patienten aus der H2-Rezeptorinhibitor-Gruppe zu PPI gewechselt hätten. Fazit: Für Patienten, die eine Stressulkusprophylaxe erhalten sollten, gibt es keine klaren Vorteile der einen medikamentösen Strategie gegenüber der anderen.

Finanzierung: öffentliche Mittel