Manualtherapien bei Kreuzschmerzen: Metaanalyse bestätigt den Nutzen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei chronischem lumbalen Rückenschmerzen haben spinale Manipulationstechniken (SMT) ähnliche Effekte wie andere Therapien, die bei diesen Beschwerden empfohlen werden. Patienten sollten allerdings, wie bei jeder Behandlung, über mögliche Komplikationen der SMT aufgeklärt werden.

Hintergrund

Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter und wird von sozioökonomischen Faktoren beeinflusst. Personen mit niedrigem Sozialstatus (gemessen an Bildung, beruflicher Stellung und Einkommen) haben häufiger Kreuzschmerzen als Personen mit mittlerem oder hohem Sozialstatus. Zudem sind Kreuzschmerzen „teuer“, vor allem die indirekten Kosten durch Ausfall der Arbeitsleistung der Patienten sind hoch. Chronische lumbale Rückenschmerzen führen seit Jahren die Statistiken der Gründe für Arbeitsunfähigkeit und medizinische Rehabilitation an. Manualtherapeutische Eingriffe an der lumbalen Wirbelsäule oder den Iliosakralgelenken zählen zu den Maßnahmen, die bei Kreuzschmerz-Patienten oft angewendet werden. Die Studien-Ergebnisse zum Nutzen der SMT sind relativ heterogen.

Design

Ausgewertet wurden 47 randomisierte und kontrollierte Studien zur spinalen Manualtherapie mit den Daten von 9211 Erwachsenen (Alter 35 bis 60), die an chronischen lumbalen Rückenschmerzen mit oder ohne ausstrahlende Schmerzen gelitten hatten. Studien, an denen ausschließlich Patienten mit Ischias-Schmerzen teilgenommen hatten, wurden nicht berücksichtigt. Verglichen wurde die SMT mit empfohlenen und nicht-empfohlenen Therapien sowie mit Schein-Behandlungen. Beurteilt wurden die Ergebnisse zum Schmerz und zum spezifischen funktionellen Status nach einem Monat sowie nach 6 und 12 Monaten.

Hauptergebnisse

  • Die Auswertung ergab eine moderate Evidenz dafür, dass die SMT ähnlich effektiv wie empfohlene Therapien die Schmerzen lindert (kurzfristige Schmerzlinderung) und das funktionelle Ergebnis sogar ein wenig mehr verbessert.
  • Sehr gut belegt  ist, dass die SMT im Vergleich zu nicht-empfohlenen Therapien Schmerzen nur wenig und klinisch ohne Relevanz mindert, aber das funktionelle Ergebnis klinisch etwas verbessert.
  • Die Auswertung der Langzeit-Daten ergab ähnliche Resultate, ebenso die Daten zur SMT als ergänzende Therapie. 
  • Die Daten zur Schein-SMT waren für eine verlässliche Bewertung von zu schlechter Qualität.
  • In rund der Hälfte der Studien wurden Nebenwirkungen, auch schwere festgestellt, wobei meist das Muskel-Skelett-System betroffen war. In der Regel handelte es sich um passagere und leicht bis moderat ausgeprägte Ereignisse.

Klinische Bedeutung

Den Ergebnissen zufolge kann die SMT als eine Therapie-Option angewendet werden, wobei es ratsam ist, sie als Bestandteil eines „therapeutischen Gesamtpaketes“ zu betrachten, da es sich ja um eine rein passive Behandlungsweise handelt, bei chronischen Rückenschmerz-Patienten jedoch körperliche Aktivität und gezieltes Training als notwendig gelten. Erforderlich ist den Autoren zufolge eine Aufklärung der Patienten über mögliche Nebenwirkungen, wobei die Datenlage zu Nebenwirkungen der SMT jedoch unzureichend sei. 

Auch die Autoren der „Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz“ bewerten manualtherapeutische Eingriffe an der lumbalen Wirbelsäule als mögliche Behandlungs-Optionen. Sie betonen allerdings, dass die Indikation sorgfältig gestellt werden sollte und dabei Kontraindikationen (Vorliegen von „red flags“, radikuläre Symptomatik, erhöhtes Frakturrisiko) beachtet werden müssten. Eine vorherige routinemäßige Röntgenuntersuchung sei nach einer Probemobilisation vor der Manipulation nicht notwendig, heißt es in der Leitlinie. 

Finanzierung: Die Autoren geben an, keine finanzielle Unterstützung erhalten zu haben.