Mannschaftssport könnte die Widerstandsfähigkeit missbrauchter Kinder stärken

  • JAMA Pediatrics

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Missbrauchte und vernachlässigte Kinder, die in der 7. - 12. Klasse an Mannschaftssportarten teilgenommen hatten, erkrankten im Alter zwischen 24 und 32 Jahren seltener an Depressionen und Angststörungen.

Hintergrund

Die Vernachlässigung und der Missbrauch von Kindern gehen mit einer höheren Rate an körperlichen und geistigen Gesundheitsproblemen im späteren Leben einher. Weniger gut bekannt sind die Faktoren, welche die langfristige geistige Entwicklung bei Kindern positiv beeinflussen. Hier wurde nach einem möglichen Beitrag der Teilnahme an Mannschaftssportarten im Jugendalter auf beide Geschlechter gefragt.

Design

Auswertung von Daten aus den Jahren 1994 – 95 und 2008 für 9668 Individuen, die in den Vereinigten Staaten an der National Longitudinal Study of Adolescent to Adult Health teilgenommen hatten und für die vollständige Daten zur möglichen Exposition gegenüber adverser Kindheitserfahrungen (AKE) vorlagen. AKE wurden definiert als körperlicher und sexueller Missbrauch, emotionale Vernachlässigung, elterlicher Alkoholmissbrauch oder Inhaftierung und aufzuwachsen mit nur einem Elternteil. Dem gegenübergestellt wurden die Teilnahme an Mannschaftssportarten in der 7. – 12. Klasse und die Diagnose einer Depression, Angststörung oder depressiver Symptomatik im Alter zwischen 24 und 32 Jahren.

Ausgewählte Ergebnisse

  • 49,3 % der Kinder hatten mindestens eine AKE, 21,4 % hatten 2 oder mehr AKE.
  • Bei allen 3 Studienzielen hatten Kinder mit AKE, die an Mannschaftssportarten teilgenommen hatten, ein niedrigeres Risiko:
    • Depression – 16,8 % versus 22,0 %. Adjustiertes Chancenverhältnis aOR 0,76 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,59 – 0,97.
    • Angststörungen – 11,8 % versus 16,8 %. aOR 0,70; 95%-KI 0,56 – 0,89.
    • momentan depressive Symptome – 21,9 % versus 27,5 %. aOR 0,85; 95%-KI 0,71 – 1,01.
  • Die Assoziationen waren bei beiden Geschlechtern ähnlich stark ausgeprägt.

Klinische Bedeutung

„Mannschaftssport ist womöglich („may be“) ein wichtiger und skalierbarer Resilienz-Generator“, schlussfolgern die Autoren. Sie bestätigen damit die öffentliche Wahrnehmung hierzulande, wonach (Mannschafts)sportarten einen erheblichen Beitrag zur geistigen Entwicklung von sowohl gesunden als auch vorbelasteten Kindern leisten könnten.

Finanzierung: David Geffen School of Medicine an der University of California Los Angeles.