Mangelnde Adhärenz beim Krebsscreening korreliert mit erhöhter Gesamtmortalität


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine US-amerikanische Beobachtungsstudie zeigt, dass Menschen, die nicht alle Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, ein stark erhöhtes Sterberisiko haben – und zwar auch für Krankheiten, auf die nicht gescreent wurde.

Hintergrund

Bekannt ist, dass die Nicht-Wahrnehmung von Krebsvorsorgeuntersuchungen (Screening) mit einer erhöhten Krebssterblichkeit einhergeht. Weniger klar ist dagegen, ob die Mortalität durch andere Ursachen ebenfalls steigt, wenn diese Angebote nicht genutzt werden.

Design

Datengrundlage war der Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian (PLCO) Cancer Screening trial, eine us-amerikanische, randomisierte, Populations-basierte Studie zu den Effekten des Krebsscreenings auf 77.443 Männer und Frauen zwischen 55 und 74 Jahren. Die Rekrutierung lief von 1993 – 2001, der Follow-Up betrug ursprünglich bis zu 13 Jahren und wurde nach erneutem Konsens verlängert. Sie erhielten nach Protokoll Röntgenaufnahmen der Brust, eine Sigmoidoskopie, PSA-Test und rektale Tastuntersuchung für die Männer bzw. einen Test auf den Tumormarker CA 125 und transvaginalen Ultraschall für die Frauen.

Hauptergebnisse

  • In die aktuelle Analyse eingeschlossen wurden 64.567 Personen mit einem mittleren Alter von 62,3 Jahren. Die meisten (85,3 %) hatten sich an das ursprüngliche Screening-Protokoll gehalten, 3,9 % waren nur teilweise adhärent, und 10,8 % gar nicht.
  • Nach 10-jährigem Follow-Up betrug das Chancenverhältnis HR, an einer Ursache zu versterben, auf die nicht gescreent wurde, für nicht-adhärente Versuchsteilnehmer im Vergleich zu jenen mit allen Untersuchungen 1,73 (95%-Konfidenzintervall 1,60 – 1,89). Studienteilnehmer, die nur einen Teil der Screenings wahrgenommen hatten, hatten ein HR von 1,36 (95%-KI 1,19 – 1,54).
  • In einem zweiten Rechenmodell wurde eine Adjustierung für das Mortalitätsrisiko durch medizinische und verhaltensbeeinflusste Faktoren vorgenommen. Dadurch reduzierte sich die HR für nichtadhärente gegenüber voll adhärenten Studienteilnehmern auf 1,46 - blieb aber mit einem 95%-KI von 1,34 – 1,59 statistisch signifikant.

Klinische Bedeutung

Männer und Frauen, die das Screening-Angebot nicht wahrnahmen, hatten nach 10-jährigem Follow-Up ein um annähernd 50 % erhöhtes Risiko an Krankheiten zu versterben, auf die sie nicht getestet wurden. Die Größe des Effekts verblüfft, zumal diese Zahlen nach Adjustierung für zahlreiche Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, Beziehungsstatus und viele Komorbiditäten errechnet wurden. Die Kommentatorinnen Deborah Grady und Monica Parks (UC San Francisco) stimmen den Autoren zu, dass die Ablehnung des Krebsscreenings vermutlich ein Marker ist für eine wenig gesundheitsbewusste Lebensweise. In Beobachtungsstudien könnte es dadurch zu Verzerrungen zugunsten der Intervention kommen, die sich hinterher in klinischen Studien nicht bestätigen lassen wie beispielsweise die vermeintliche Reduktion des Herzrisikos unter einer Hormonersatztherapie bei Frauen oder der Effekt von Vitaminen auf das Krebsrisiko.

Finanzierung: Keine Angaben.