Management schwerer Carotisstenosen: Studie vergleicht medizinische versus chirurgische Option

  • Michael Simm
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Das Risiko eines Schlaganfalls für Patienten mit schweren asymptomatischen Karotisstenosen ist, auch wenn kein chirurgischer Eingriff erfolgt, unter medikamentösem bzw. konservativem Management relativ gering. Es liegt unter 1 Prozent / Jahr, und über 5 Jahre hinweg bei etwa 5 %.

Hintergrund

Derzeit ist unklar, wie Patienten mit einer asymptomatischen schweren Carotisstenose behandelt werden sollten. Die Gründe dafür sehen die Autoren der aktuellen Arbeit einerseits in Fortschritten bei der medizinischen Versorgung dieser Patienten, aber auch in einem Mangel an aktuellen Daten zum Vergleich einer medizinischen gegenüber einer chirurgischen Behandlung.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit 3737 Erwachsenen (durchschnittliches Alter 73,8 Jahre, 57,4 % Männer) die anhand archivierter Bildgebungsdaten des Gesundheitsdienstleister Kaiser Permanente in Nordkalifornien aus mehr als 90000 Individuen ausgewählt wurden. Sie waren zwischen den Jahren 2008 und 2012 mit einer schweren (70 – 99 %) asymptomatischen Carotisstenose diagnostiziert worden, hatten zuvor keine Intervention erhalten und in den zurückliegenden 6 Monaten auch kein ipsilaterales neurologisches Ereignis. Die Nachverfolgungszeit betrug durchschnittlich 4,1 Jahre. Primäres Studienziel war die Rate ipsilateraler, Carotis-verwandter, akuter ischämischer Schlaganfälle bei jenen Patienten, die keine chirurgische Intervention erhielten.

Ergebnisse

  • Während des Studienzeitraums erhielten 1318 von 3244 Patienten mit einer stenotischen Arterie sowie 268 von 493 Patienten mit zwei stenotischen Arterien eine chirurgischen Intervention.
  • Vor der ersten Intervention ereigneten sich 133 ipsilaterale Schlaganfälle; dies entspricht eine mittleren jährlichen Rate von 0,9 % (95%-Konfidenzintervall 0,7 – 1,2).
  • Über 5 Jahre hinweg wurde die Schlaganfallrate auf 4,7 % (95%-KI 3,9 – 5,7) geschätzt.

Klinische Bedeutung

Die Studie liefert eine neue Schätzung zum Schlaganfallrisiko bei Patienten mit schweren, asymptomatischen Carotisstenosen, die keine chirurgische Intervention erhalten. Das Risiko von etwa 1:20 über 5 Jahre dürfte die Versorgungssituation auf hohem Niveau widerspiegeln und beispielsweise auch für Deutschland eine Abschätzung erlauben, die bei der Beratung der Patienten von hohem Wert sein dürfte.

Finanzierung: The Permanente Medical Group Delivery Science and Physician Researcher Programs.